Sie befinden sich hier:

Rahmenabkommen: Alarm aus der Industrie – Fünf nach Zwölf?

Am 4. März 2021 erklärte der Chefredaktor der NZZ das Rahmenabkommen für gescheitert*. Der Bundesrat reite ein totes Pferd. Aber jetzt schlagen Schweizer Industrielle Alarm – auf der Frontseite der NZZ**.

Kürzlich wurde offenbar bei der NZZ dem früheren Leiter der Wirtschaftsredaktion, Peter A. Fischer, der Thema-Lead für Rahmenabkommen und Plan B übertragen. In weiteren Teilen der Schweizer Industrie ist eine Alarmstimmung aufgekommen. Und Fischer hilft ihnen, Alarm zu schlagen (Link zum Frontseitenartikel vom 19.4.21, dem Tag einer entscheidenden Bundesratssitzung).

Achtenswert – aber noch früh genug? Wenn der Alarm Fünf nach Zwölf das „tote Pferd“ wiederbeleben würde, wäre das schon fast ein politisches Wunder. Aber wenn jetzt Industrielle mitteilen, dass sie Verlagerungen in ein EU-Land erwägen müssen, fördert dies hoffentlich die rasche Erarbeitung eines „Plans B“.

Der Bundesrat hat nicht wie eine Regierung gehandelt, sondern wie eine Abordnung von Parteiführungen, die mehrheitlich gegen das Rahmenabkommen sind, und von Gewerkschaften. Wenn das Pferd gestorben ist, dann daran. Die verbreitete Kritik an der Europapolitik des Aussenministers ist nachvollziehbar – vor allem aber hat das System versagt. Die grosse Mehrheit der politischen Kräfte in der Schweiz wollte nie die Voraussetzungen schaffen für eine Regierung, die führt. Die Zugehörigkeit zur Regierung ist für die Parteien unverbindlich, und das Bundespräsidium dauert ein Jahr.

* Eric Gujer: „Das Rahmenabkommen mit der EU ist gescheitert“ (Link)

** Peter A. Fischer: „Konsternation über den Bundesrat: Wirtschaftsvertreter warnen vor einem Scheitern der Gespräche mit der EU“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Ampel-Parteien und Union erschweren gemeinsam einen autoritären Zugriff auf das Bundesverfassungsgericht

Gewarnt durch Entwicklungen in Ungarn und Polen einigten sich Ampel-Parteien und Union darauf, mit ihrer Zweidrittelsmehrheit im Bundestag Gesetzesnormen, die die Unabhängigkeit des Bundesverfassungsgerichts schützen, ins Grundgesetz (die deutsche Verfassung) aufzunehmen. Dann hätte eine autoritäre Regierung nur noch Zugriff auf das höchste Gericht, wenn sie im Bundestag selbst eine Zweidrittelsmehrheit hätte.

Weiterlesen »

Israel im Krieg – auch eine Folge von 4 Jahren Trump’scher Nahostpolitik.

Donald Trump stärkte Netanyahu und den israelischen Hardlinern den Rücken und gab ihnen freie Bahn – mit der Folge, dass Israel zur Gewährleistung seiner Sicherheit einseitig auf seine Waffen setzt. Sicherheit durch Verständigung kam ausser Betracht. Der Weg zur Zwei-Staaten-Lösung wurde immer mehr verbaut. Siedler und Aggressoren gegen die arabischen Israeli wurden gestärkt.

Weiterlesen »