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Update 23.10.2020: Wirtschaftsfreundlich – eine Frage des Zeithorizonts. Am Beispiel Corona.

Deutschland hat die Schweiz auf die Risikoliste gesetzt. Und in der Schweiz werden Versammlungen, Sitzungen, Veranstaltungen reihenweise abgesagt. Homeoffice breitet sich wieder aus. Viele Einzelpersonen reduzieren freiwillig ihre Präsenz in der Gemeinschaft, ihre Kontakte, ihre Restaurantbesuche. Diese und andere Auswirkungen der Pandemie-Entwicklung schaden der Wirtschaft. War die Corona-Politik zu wenig wirtschaftsfreundlich?

Wer jetzt nach Deutschland will, zum Beispiel um Kunden zu besuchen, Produkte und Dienstleistungen zu präsentieren, muss einen frischen Test mitbringen oder in Deutschland in Quarantäne gehen. Umgekehrt werden Deutsche vor Reisen in die Schweiz gewarnt, was die Wiederbelebung des Tourismus verzögert.

Innerhalb der Schweiz führen die laufenden Absagen von Veranstaltungen und Meetings zu Ausfällen an Saalmieten, Konsumationen, Gagen usw. Wer im Home Office arbeitet, verpflegt sich oft zu Hause, seltener im Restaurant.

Wohl noch stärker sind die wirtschaftlichen Auswirkungen des freiwilligen Verzichts vieler Menschen, die sich schützen wollen.

Im vermeintlichen Interesse der Wirtschaft wurden Massnahmen, die die Verbreitung des Corona-Virus hätten eindämmen können, namentlich die Ausweitung der Maskentragpflicht, unterlassen oder verzögert. Besserwisserisch wurde geltend gemacht, die Ansteckungen fänden ja hauptsächlich in den Familien und im engsten Umfeld der Betroffenen statt – als ob das Virus dort neu erzeugt würde. Jetzt leidet die Wirtschaft umso stärker.

Die Taskforce hat deshalb grundsätzlich recht, wenn sie gemäss Bericht im Tages-Anzeiger vom 23.10.2020 S. 2 argumentiert, „eine Ausbreitung des Virus senke Konsum und Investitionen unabhängig von einem allfälligen weiteren Lockdown. Ein zweiter Lockdown würde gemäss Schätzungen zu einem Einbruch im letzten Quartal führen, doch würde die Wirtschaft ab dem kommenden Jahr wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren.“

Ob ein Verhalten wirtschaftsfreundlich ist, hängt vom Zeithorizont ab, auf den es ankommt. Corona ist hierfür nur ein Beispiel.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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