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Über 65 – aber systemrelevant

Hoffentlich nimmt kaum jemand Anstoss daran, dass in der Sondersession der Eidgenössischen Räte Ueli Maurer (Jahrgang 1950) seine Bundesratsgeschäfte vertritt und Hans Stöckli (Jahrgang 1952) den Ständerat präsidiert. Wahrscheinlich werden noch andere Angehörige der „Risikogruppe über 65“ mitwirken. Man hat ihnen die Teilnahme an der Session freigestellt, aber sie trauen sich zu – und es wird ihnen zugetraut -, sich eigenverantwortlich zu schützen.

„Quod licet Iovi, non licet bovi“, hiess es bei den alten Römern – eine krasse Absage an Gleichheitsideen: „Was sich für Gott Jupiter ziemt, ziemt sich nicht für den Ochsen!“ In unserer Gesellschaft, die demokratisch, liberal und sozial sein will, eine unerträgliche Parole.

In einer Pandemie muss es aber schon möglich sein, Menschen, deren Dienste besonders wichtig sind, weniger einzuschränken als Andere. Das gilt für hohe Politikerinnen und Politiker, aber etwa auch für die Mitarbeiter der Spitäler, der Heime, der Müllabfuhr und der Polizei, wobei letztere höchstens ausnahmsweise über 65 sind, aber andere Risiken haben können.

Was heisst das für uns, die wir für das Land nicht systemrelevant sind?

Die Beispiele der systemrelevanten Angehörigen von Risikogruppen zeigen, dass eigenverantwortlicher Schutz vor Infektion möglich ist. Deshalb sollen auch unterhalb der Systemrelevanz keine unnötigen Verbote verhängt werden. Viele Menschen sind zwar nicht für das System Schweiz relevant, aber durchaus für das zwischenmenschliche und ökonomische System, in dem sie leben und dienen.

„Bleib zuhause“ soll so lange wie möglich Empfehlung bleiben.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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