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Rechtsextreme Parteien profitieren vorerst von der Friedensordnung eines Teils Europas

Meldungen über einen weiteren Anstieg der Unterstützung rechtsextremer Parteien in Umfragen kommen in rascher Abfolge. Kriegsentwöhnte Wählerinnen und Wähler, welche AfD und FPÖ unterstützen, befürchten offenbar nicht, dass eine rechtsextreme Regierung ihr Land in einen revanchistischen Krieg um Elsass-Lothringen beziehungsweise Südtirol stürzen würde.

AfD und FPÖ stellen EU und Nato in Frage, aber sie profitieren auch davon, dass diese beiden Organisationen Krieg zwischen west-, mittel- und nordeuropäischen Staaten auf absehbare Zeit sehr unwahrscheinlich gemacht haben. Die rechtsextremen Parteien sind sich der Kriegsunlust ihrer Völker bewusst. Deshalb spielen sie mit ihren Forderungen, Putin entgegenzukommen, auch die Friedenskarte, schliessen diesbezüglich die Schultern mit einer traditionell linken Friedensbewegung.

Die Distanznahme des von Marine Le Pen und Jordan Bardella* geführten Rassemblement National von der AfD zeigt aber, dass man es in Frankreich durchaus mit Sorge wahrnimmt, dass  man in der AfD mit der Bewältigung der nationalsozialistischen Vergangenheit bricht, und dass einige in dieser Partei erklären, auch auf die SS-Männer wieder stolz zu sein  – auf Kriegsverbrecher, die Frankreich terrorisierten. Es ist anzunehmen, dass auch für Reform UK eine Partnerschaft mit deutschen und österreichischen Rechtsextremisten höchst problematisch wäre – in Erinnerung an Hitlers Bombardierungen britischer Städte. Ähnliche Überlegungen wird man sich in Nord- und Mittelosteuropa anstellen. Polens Rechtsextreme polemisieren bereits mit historisierenden Parolen gegen Deutschland.

Aber wie würde sich Europa entwickeln, wenn es rechtsextremen Regierungen gelänge, die politischen und militärstrategischen Grundlagen der Friedensordnung zu beseitigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in West- und Nordeuropa geschaffen und auf Ostmitteleuropa ausgedehnt wurde? Man tut wohl gut daran, zu beobachten, wie sich die Haltungen rechtsextremer Parteien in Deutschland und Österreich gegenüber ihren Nachbarstaaten und zu den Folgen von Hitlers Kriegsniederlage entwickeln.

*  Auszug aus einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen“ mit Bardella, erschienen am 13. Mai 2026 unter dem Titel „Wir werden nationales Recht über Europarecht stellen“  (Link):

„Was genau trennt Sie? Der Umgang mit Neonazis?

Ja, zum Beispiel – oder die extreme Rhetorik der AfD in historischen Fragen. Die AfD hat einen starken europafeindlichen Flügel, der einen EU-Austritt fordert. Das ist nicht unsere Position. Wir wollen alles verändern, ohne etwas zu zerstören, das heißt gemeinsam mit unseren Verbündeten die Funktionsweise der EU verändern. Aber der AfD ist es immerhin gelungen, CDU/CSU zu einer Umkehr in der Migrationspolitik zu bringen.“

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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