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NZZ Deutschland und die AfD

Eine Reise einflussreicher AfD-Politiker nach Russland, die dieser Tage in Deutschland stark beachtet und diskutiert wird, ist der NZZ-Redaktion in Berlin keine Beachtung wert. Aber „allzeit bereit“ greift sie sofort Bundespräsident Steinmeier an, weil er in einer Rede am Jahrestag der Reichspogromnacht vor Rechtsextremismus warnte.

Fall 1, Auszug aus einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen“ vom 8. November 2025:

„(…) den von CSU-Generalsekretär Huber zu Recht als „Landesverrat“ bewerteten Russland-Trip hat die Fraktionsspitze um Alice Weidel gebilligt und die vom Steuerzahler finanzierten Reisekosten abgezeichnet. Das ist eine neue Haltung, denn bisher distanzierten sich Weidel und Tino Chrupalla von solchen Reisen nach Moskau oder auf die Krim, zeigten sich überrascht und milde empört.“

Obwohl sie in Berlin über eine mittlerweile zehnköpfige Redaktion unter einem „Chefredaktor Deutschland“ namens Marc Felix Serrao verfügt, berichtet die NZZ nicht darüber. So wie sie nie darüber berichtete, dass Nachfahren des Widerstands gegen Hitler und Verantwortliche für KZ-Gedenkstätten vor der AfD warnen.

*

Fall 2, aus dem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen“ vom 10. November 2025:

„Der Bundespräsident warnt in seiner Rede zum 9. November vor den Gefahren für die Freiheit. Und appelliert an die politischen Kräfte der Mitte.

Den 9. November in der deutschen Geschichte bezeichnet der Bundespräsident als Seismographen, der uns „die Erschütterungen, die Risse in unserer Gesellschaft“ zeige, „die Gefährdung unserer Demokratie“. „Wir wissen, wo es hinführt, wenn Menschen als vermeintlich Andere ausgegrenzt, verfolgt, gequält werden, wenn ihnen am Ende sogar jede Menschlichkeit abgesprochen wird“, sagt Frank-Walter Steinmeier. Das sei die Mahnung des 9. November 1938, der Reichspogromnacht. Der 9. November 1918 erinnere daran, wie kostbar Frieden und Demokratie seien, so schwer errungen und nie für alle Zeit garantiert. Schließlich der 9. November 1989, der Mauerfall, der gezeigt habe, wie stark man sein könne, wenn man gemeinsam für eine Sache kämpfe. Wenn man diesen Seismograph richtig lese, sagt Steinmeier bei seiner Rede am Sonntag im Schloss Bellevue, „dann lässt er uns auch erkennen, was zu tun ist“. Und zu tun ist aus Sicht des Bundespräsidenten viel. Einer der Kernsätze seiner Rede ist: „Nie in der Geschichte unseres wiedervereinten Landes waren Demokratie und Freiheit so angegriffen.“ Er wird sich anschließend in seiner Rede vor allem mit den Gefahren für die Demokratie durch die AfD beschäftigen – ohne die Partei freilich direkt beim Namen zu nennen. (…)“

Link zur Rede von Bundespräsident Steinmeier.

NZZ-Deutschland reagiert umgehend – auf ihrer Generallinie, die AfD zu verharmlosen und sich für ihre Regierungsbeteiligung einzusetzen. Am Montagmorgen, 10. November, erhalten diejenigen, die den „anderen Blick“ abonniert haben, einen Kommentar von Jonas Hermann, Redaktor bei NZZ-Deutschland, unter dem Titel „Steinmeiers Grenzüberschreitung“. Auszug:

„(…) Steinmeier dämonisierte die AfD, handfeste Belege für seine Thesen blieb er schuldig. Viele Politiker der etablierten Parteien argumentieren nach diesem Muster. Sie bilden eine Allianz, die sich gerne als «die demokratischen Parteien» bezeichnet. Was genau an der AfD undemokratisch sein soll, können sie nicht schlüssig erklären.

Natürlich dürfen Politiker unsachlich und unfair gegen die politische Konkurrenz keilen. Für Steinmeier gilt das freilich nicht. Als Bundespräsident ist er formell das Staatsoberhaupt aller Deutschen.

Er repräsentiert den Staat als solchen, muss also unparteiisch sein. Das Bundespräsidialamt beschreibt es so: «Über den Parteien stehend, wirkt er durch Ausübung seiner verfassungsrechtlichen Befugnisse (. . .) integrierend, moderierend und motivierend.» Zudem heisst es, der Bundespräsident solle unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zusammenführen. (…)“

*

Die AfD kann sich auf NZZ-Deutschland verlassen: Dass sie verschweigt, verharmlost, verteidigt.

Nachgerade eine Zumutung, nicht nur für zeitgeschichtlich bewusste Leserinnen und Leser, sondern auch für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der NZZ, die weiterhin sehr achtenswerten Journalismus bieten.

Mehr dazu:

„DIE Gegner der AfD – wenn NZZ-Berlin den bestimmten Artikel setzt“ (Link)

„Ein weiterer Hinweis an die Verharmloser der AfD (z. B. bei NZZ-Deutschland)“ (Link)

„Die NZZ hat sich entschieden: Die AfD muss mitregieren können“ (Link)

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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