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Die „Weltwoche“ will uns beibringen, was das EINE, das EINZIGE Ziel Russlands ist

Christoph Mörgeli in der „Weltwoche“ vom 15.5.2025: „Die Parade (zum Sieg über Nazi-Deutschland) zeugte von absoluter Entschlossenheit: Ebenso stramm wie forsch unterstellten sich alle dem einen, dem einzigen Ziel: der Sicherheit und dem Schutz ihrer Nation.“ Das einzige Ziel von Putins Überfall der Ukraine? Und später das einzige Ziel, wenn er seine Truppen losschicken könnte, die baltischen Staaten heim ins Reich zu holen?

Aber vorab: Weshalb sollen wir dieses Putin-Propaganda-Organ* überhaupt noch beachten?

Weil die „Weltwoche“ aussen-, europa- und sicherheitspolitisch repräsentativ ist für einen einflussreichen Teil der wählerstärksten Regierungspartei der Schweiz, die den Wirtschafts-, Aussenhandels- und Wissenschaftsminister sowie den Energie-, Verkehrs- und Medienminister stellt.
Weil Christoph Blocher, Magdalena Martullo und andere SVP-Grössen hinter Verleger und Chefredaktor Roger Köppel stehen und dies zum Beispiel durch ihre Präsenz an seiner Veranstaltung mit Viktor Orban demonstrierten.
Und weil die SVP des Kantons Zürich Roger Köppel zum Nachfolger Christoph Blochers als Hauptreferent an der Jahresveranstaltung der SVP des Kantons Zürich im Albisgüetli beförderte.

„Entschlossen, forsch und zielbewusst“ lautet der Titel über Mörgelis Artikel (Link, hinter Paywall). War Mörgeli – auf Roger Köppels Spuren – in Moskau oder liess er sich durch eines der russischen Propagandamedien begeistern? Ich habe mir zugemutet, den Artikel zu lesen, und stelle fest: Der spätberufene „Investigativreporter“ findet es unnötig, seine Leserinnen und Leser zu informieren, ob er aus Moskau berichtet.

Aber er schreibt, wie wenn er auf der Paradetribüne gesessen hätte. Auszug: „Selbst bejahrte Obersten und Generalmajore mit Bauchansatz marschierten an der Spitze ihrer Formationen – ohne das Bild der Einheit oder das Tempo zu stören. Zum Vergleich: Drei Schweizer Berufsmilitärs (!) waren auf den Champs-Elisées in Paris nicht in der Lage, im Schritt zu gehen und den Takt zu halten.“

Kriterien hat der Mann… Welche der Offiziere, die in Moskau und in Paris marschierten, welche Haltung zum Völkerrecht, insbesondere auch zum humanitären Kriegsvölkerrecht einnehmen, ist ihm nicht die Schreibe wert – wohl aber ihr Marschschritt.

Und weiter mit Mörgeli: „Als gute Nachricht ist zu vermelden, das die Schweizer Botschafterin der russischen Einladung Folge leistete und so ihren Respekt zum Ausdruck brachte. Ansonsten bot der boykottierende Westen gleichentags ein überaus trübes Bild.“

Aber die politische Kernaussage lautet: „Die Parade (…) zeugte von absoluter Entschlossenheit: Ebenso stramm wie forsch unterstellten sich alle dem einen, dem einzigen Ziel: der Sicherheit und dem Schutz ihrer Nation.“

Damit übernimmt die Weltwoche einmal mehr die russische Propaganda: Die Ukraine sei zum Schutz der russischen Nation angegriffen worden. Wenn Mörgeli verbreitet, der Schutz der russischen Nation sei das EINE und EINZIGE Ziel Russlands, leugnet er, dass Putin und seine Propagandisten die Grenzen der Sowjetunion wiederherstellen und wenn möglich ihren militärischen und politischen Einfluss auf die früheren Satellitenstaaten des Warschauer Pakts ausdehnen wollen.

*  „Vorwürfe gegen ‚Weltwoche‘-Chefredakteur Roger Köppel: Russische Staatspropaganda zu Butscha-Massaker verbreitet“ (Link).

Mehr dazu:

„Als die ost-mitteleuropäischen und baltischen Staaten der Nato beitraten“ (Link)

„Estland – sehr frei und sehr bedroht“ (Link)

„Putin, das Baltikum und die Schweiz“ (Link)

„Putin muss mit glaubwürdigem Widerstand des demokratischen Europas rechnen“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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