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Putin muss mit glaubwürdigem Widerstand des demokratischen Europas rechnen

Angst vor Krieg ist verständlich. Aber gerade deshalb müssen auch die Folgen einer Eroberung und Besetzung durch die Armee einer brutalen Diktatur die Entscheidungen bestimmen.

In einem ersten Entscheidungsschritt geht es darum, dass die Ukraine, die auf dem Weg zu einem demokratischen, freiheitlichen Staat ist, nicht unter die Herrschaft Putins fällt. In einem zweiten Schritt geht es darum, die baltischen Staaten zu unterstützen, die ihre Unabhängigkeit verteidigen wollen. Und in einem dritten Schritt geht es darum, Putin glaubwürdig die Risiken vor Augen zu führen, die er mit einem Westfeldzug einginge. Napoleons und Hitlers Armeen drangen weit in Russland hinein – aber am Ende stand ihr Sturz. Mag sein, dass die russische Armee wieder in Polen eindringen und Teile Deutschlands besetzen würde – er tut gut daran, die Entschlossenheit und den Widerstandswillen der europäischen Demokratien nicht zu unterschätzen, mag er diese noch so sehr verachten.

Angst vor Krieg ist verständlich. Aber den Gefahren des Krieges müssen die Gefahren einer Eroberung durch die Armee einer brutalen Diktatur entgegengehalten werden. Rufen wir in Erinnerung, wie fast ganz Kontinentaleuropa Hitlers Herrschaft erlitt, und wie weite Teile Asiens diejenige der japanischen Eroberer erlitten.

Wer die demokratischen Rechte, den Rechtsstaat und die Grundrechte nicht so wichtig findet, um ihretwegen Krieg zu riskieren, und wer es hinnähme, von Statthaltern Putins statt von demokratisch legitimiertem eigenem Parlament, eigener Regierung bestimmt zu werden, muss sich bewusst machen, dass Eroberung auf Ausbeutung abzielt. Der Eroberer will sich die ökonomischen Werte des eroberten Landes aneignen, und er will die Menschen des eroberten Landes für ihn arbeiten lassen. Und wenn ein Eroberer weitere Kriege führt, nimmt er auch Zwangsrekrutierungen vor. Schweizerische, deutsche, österreichische, baltische junge Menschen würden dann nicht vor Kriegsdienst verschont, sondern müssten ihn in Verbänden leisten, die für den Eroberer in den Kampf geführt würden.

Das sind die historischen Erfahrungen, und nichts spricht dafür, dass sie sich nicht wiederholen, wenn wir Putin nicht davon überzeugen, dass sich das demoratische Europa kräftig gegen ihn wehrt, wenn er vorstösst.

Mehr dazu:

Was einem Land widerfahren kann, das erobert wird:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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