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Die EU – den einen zu rot, den andern zu blau

Seit Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, Vorläuferin der EU, gingen massgebliche Teile des Schweizer Bürgertums auf Distanz zu ihr, weil sie unter bestimmendem Einfluss von Christ- und Sozialdemokraten gegründet und entwickelt wurde. Neuerdings ist die EU nun anderseits den Schweizer Gewerkschaften zu wirtschaftsliberal. Gegensätzliche Beurteilungen führen zu einer unheiligen Ablehnungsfront.

Das „Projekt“ Bilaterale III gefährde nicht nur das Staatsmodell, sondern auch „die marktwirtschaftliche Ausrichtung der Schweiz“, schreibt Gerhard Schwarz in seiner am 9.1.23 erschienenen Kolumne. Schwarz war Chef der NZZ-Wirtschaftsredaktion, Direktor der Stiftung Avenir Suisse und ist jetzt Präsident der Progress Foundation.

In derselben Zeitung wird nochmals berichtet, dass sich der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds mit einer Kompromisslosigkeit gegen das Verhandlungsmandat des Bundesrates festgelegt habe, die kaum mehr Hoffnung lässt, dass die Gewerkschaften nach Abschluss der Verhandlung deren Ergebnis zustimmen werden.

Man fragt sich, ob Gewerkschafter wie Maillard und radikal Marktliberale wie Schwarz dieselbe EU wahrnehmen. Darin liegt eine Chance im Hinblick auf eine Volksabstimmung. Bürgerinnen und Bürger könnten davon überzeugt werden, dass keine der beiden Extrempositionen der Realität gerecht wird, und dass die Gemeinsamkeiten und die gemeinsamen Interessen der Schweiz, der EU und ihrer Mitgliedstaaten überwiegen. Auch die globalpolitische Entwicklung fördert das Bewusstsein hierfür. Es ist deshalb zwar unsicher, aber nicht ausgeschlossen, dass Bundesrat und Parlament nach Verhandlungsabschluss den Gang an die Urne und die hierfür nötige Überzeugungsarbeit wagen.

Siehe auch:

„Die Grundhaltung gegenüber Europa und seinen Zukunftsperspektiven überprüfen“ (Link)

„Was ‚die Wirtschaft‘ zur Stabilisierung der Bilateralen beitragen muss“ (Link)

„Europa nach dem Zweiten Weltkrieg – eine haltbare Ordnung?“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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