Sie befinden sich hier:

„Weltwoche“ – Vehikel für Propaganda Putins, Orbáns und der iranischen Staatsterroristen

In der „Weltwoche“ vom 19. März 2026: Gastartikel des russischen Botschafter in der Schweiz, Sergei Garmonin, Interviews mit Orbáns Parlamentspräsidenten und dem Botschafter Irans in der Schweiz. Und ein Artikel von Roger Köppel unter dem Titel „Brüssels Russland-Verschwörung gegen Orbán“.

Beachtlich ist dies vor allem, weil Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor dieser Zeitung, noch immer Repräsentant zumindest eines Teils der SVP ist. Die Zürcher SVP hat sich klar dazu bekannt, indem sie ihn als Nachfolger Christoph Blochers mit dem Keynote Speach ihrer Jahrestagung im Albisgüetli betraute. Köppel – Repräsentant der Partei, deren „Neutralitätsinitiative“ zutreffend als Pro-Putin-Initiative bezeichnet wird.

Köppel ist offensichtlich von Begeisterung getrieben. Eine „Weltwoche“-Ausgabe zuvor, vom 12. März, enthielt sein „Editorial“ unter dem Titel „Schule des Realismus. Wie ich dank Putin, Trump und Netanjahu klarer denken lernte“. Unter dem Zwischentitel „Gutmensch Putin und das Ende der Schönwetter-Politik“ lesen wir, Putin sei „nicht das Machtmonster, als das ihn seine Gegner zeichnen. Ja, er ist ein tatkräftiger Strategie, grossrussischer Realist, aber einer, in dem sich immer noch der Restposten eines europäischen Gutmenschen aufspüren lässt.“

Kein Gedanke an frierende und sterbende Menschen in der Ukraine, kein Wort über sie. Kein Gedanke auch an die eingesperrten Journalistinnen, Journalisten und Oppositionellen in Putins Reich, kein Wort über sie. Kein Gedanke an jene, die der „Gutmensch“ ermorden liess, kein Wort über sie.

Putins Botschafter Sergei Garmonin nun also Gastautor im Blatt dieses Putin-Verehrers: „Es wird Zeit, neue Brücken zu schlagen“, überschreibt Garmonin seinen Artikel aus Anlass des 80. Jahrestags der Wiederaufnahme der russisch-schweizerischen Beziehungen. Eine Brücke vielleicht auch zu jenem NZZ-Korrespondenten, dem Garmonin mit Straflager drohte (Link)? Als die „Weltwoche“ anschliessend Garmonin interviewte, schrieb PolitReflex: „Das Blatt des (damals noch) Bereichsleiters der SVP Schweiz für Europapolitik, Roger Köppel, ist nicht nur, wie hier bereits festgestellt, gänzlich uninteressiert am Schicksal von Alexei Nawalny, seiner neuerlichen Verurteilung und Strafverschärfung. Köppels Blatt brachte sogar fertig, den russischen Botschafter nicht auf die Drohung anzusprechen, die er gegen den NZZ-Journalisten Ivo Mijnssen aussprach.“ (Link)

Garmonin: Russland als „alternativer Partner“ zur EU…

„Russland ist keineswegs eine Bedrohung für die Schweiz, sondern bietet der Eidgenossenschaft vielmehr Möglichkeiten, ihre Beziehungen in einer sich rasch wandelnden Welt vielfältiger zu gestalten“ versucht uns Garmonin zu bezirzen: „Die Zusammenarbeit mit Russland bietet die Möglichkeit, nicht vollständig von der Willkür Brüssels oder anderer westlicher Länder abhängig zu sein, sondern einen alternativen Partner zu haben. (…) Bundesbern könnte Mut zeigen, eine Vorreiterrolle übernehmen und von einer proaktiven Aussenpolitik profitieren. Oder es kann weiterhin ängstlich auf die EU-Kommission blicken und hoffen, dass ihm dieser Ansatz irgendwie in seinen Beziehungen zu Brüssel hilft.“

Wir denken daran, wenn die „Weltwoche“ und die mit ihr verbundene SVP das Nein zum Vertragspaket Schweiz-EU propagieren. Wenn die bilateralen Beziehungen niedergehen, bietet Putins brutale Diktatur eine alternative Partnerschaft an. Für unsere Beurteilung dieses Angebots wird eine Rolle spielen, ob Putin davon Abstand nimmt, die Ukraine als Staat und Volk auslöschen zu wollen, und ob er gegenüber den – mit der Schweiz befreundeten – baltischen Demokratien vertrauensbildende Schritte unternimmt.

Wir denken daran, wenn die „Weltwoche“ und die mir ihr verbundene SVP die Réduit-Initiative („Neutralitätsinitiative“) propagieren, deren Annahme verunmöglichen würde, dass sich die Schweiz im Angriffsfall ab Landesgrenze verteidigt.

Ungarn setze „auf Diplomatie statt auf Waffen“ – sein Standpunkt sei „auch moralisch der richtige“

In Marcel Odermatts Interview mit Ungarns Parlamentspräsident László Kövér von Viktor Orbáns Partei zeigt schon die erste Frage, dass kein kritischer Journalismus zu erwarten ist: „Herr Parlamentspräsident, Ungarn wird im Westen oft sehr negativ, ’schwarz‘, dargestellt – auch weil Ihr Land auf Diplomatie statt auf Waffen setzt. Fühlen Sie sich in dieser Rolle wohl?“

Was wird denn hier impliziert, wer auf Waffen setze? Die Ukraine in ihrem Überlebenskampf? EU und Nato, die sie – mit ungenügenden Mitteln – darin unterstützen und versuchen, sich darauf vorzubereiten, dass Trump die Ukraine noch ganz fallen lassen könnte? Die europäischen Demokratien, die Putins kriegswirtschaftliche Hochrüstung beobachten und sich darauf vorbereiten, dass Putin als Nächstes einen baltischen Staat angreifen könnte, mit dem Ziel, Russland wieder an die Grenzen der Sowjetunion auszudehnen? Will man uns einreden, Putin denke im Ernst, die europäischen Demokratien bereiteten einen dritten Russlandfeldzug vor, nach Napoleon Bonaparte und Adolf Hitler?

So wohlwollend befragt, kann der Parlamentspräsident selbstbewusst und selbstgerecht antworten: „Wir sind überzeugt, dass unser Standpunkt nicht nur pragmatisch, sondern auch moralisch der richtige ist. Es ist unbequem, mit der Mehrheit zu ringen und zugleich auf der Seite des gesunden Menschenverstandes zu stehen, aber ich fühle mich deshalb nicht unwohl. Ich sage immer: Die Ungarn haben nicht recht – sie werden recht bekommen. (…)“

Kein Wunder, dass in einem so geführten Gespräch die Massnahmen von Orbáns selbsterklärter „illiberalen Demokratie“ gegen kritischen Journalismus, missliebige Medien, nicht vorkommen.

Passend dazu Roger Köppels Artikel „Brüssels Russland-Verschwörung gegen Orbán“. Köppel, an dessen Dolder-Anlass Christoph Blocher und viel SVP-Prominenz dem „illiberalen Demokraten“ zu Füssen sassen (Link), will einleitend eine „Entwicklung“ feststellen, „die das Fundament der Europäischen Demokratien erschüttert und zeigt, wie tief der Graben zwischen den zentralistischen Kräften in Brüssel und den souveränistischen Regierungen der Mitgliedstaaten geworden ist. Im Zentrum dieses Sturms steht einmal mehr der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban.“

„Wie denken die Menschen in Iran über den Krieg?“

Bisher stehen Roger Köppel und sein Blatt entschieden auf der Seite Trumps und Netanyahus. Rafael Lutz führt denn auch das Interview mit Mahmoud Barimani, Irans Botschafter in der Schweiz, nicht ganz unkritisch. Überschrieben ist es: „An Trumps Händen klebt Blut.“

„Wie denken die Menschen in Iran über den Krieg?“ – eine Frage an den Vertreter von Staatsterroristen, die Tausende niederschiessen liessen, wenn sie in Demonstrationen ihr Denken kundtun wollten. Die Antwort ist erwartungsgemäss propagandistisch. Später spricht Lutz den Botschafter darauf an: „Westliche Medien schrieben von Zehntausenden von Menschen, die der iranischen Führung zum Opfer fielen.“ Antwort des Botschafters: „Die Regierung hat die Zahl der Opfer veröffentlicht: Es starben 3117 Menschen. Darunter 2427 Polizisten und gewöhnliche Leute. Bei den restlichen Personen handelt es sich um Randalierer. Die Regierung hat die Namen der Opfer veröffentlicht. Die Zahlen stammen aus der Gerichtsmedizin. Die Polizei und die Sicherheitskräfte hatten keine andere Wahl, als sich gegen die Chaoten zu verteidigen. Die Regierung hat zudem dazu aufgerufen, sich zu melden, falls man Opfer durch die Proteste zu beklagen hatte oder die Zahl bestreitet. Es hat sich jedoch niemand gemeldet.“ – Wen wundert’s? – Und Barimani schliesst: „All das zeigt: Diese Zahlen sind real.“

Hierzu Amnesty International Schweiz im Aufruf zur Unterzeichnung einer Petition:

„Das Blutvergiessen im Iran muss stoppen. Unterschreiben Sie unsere Petition und fordern Sie die Uno-Mitgliedsstaaten – darunter auch die Schweiz – auf, Druck auf die iranischen Behörden auszuüben, damit sie die brutale Gewalt gegen Demonstrierende unverzüglich beenden. Zudem sollen die Uno-Mitgliedstaaten Ermittlungen und Strafverfolgungen einleiten, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“

Amnesty International | Petition Proteste Iran 2026 | DE

 

 

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

3 Kommentare

  1. Schön, dass Sie die „Weltwoche“ lesen und zusammenfassen, damit ich das nicht selber muss. Ich würde mir das nicht mehr antun wollen. Und wäre ich Mitglied der SVP würde ich mir mal kurz ein paar Gedanken machen, ob ich mich wirklich mit dieser Ideologie identifizieren will oder nicht. Aber das ist jetzt rein hypothetisch, weil mein bisschen Hirn solche Reflexionen noch zulassen, was bei etlichen aber offenbar schon nicht mehr funktioniert.
    Mit dem Roger Köppel würde ich trotzdem mal ein Glas Wein trinken wollen, aber aus rein psychologischem Interesse. Vielleicht käme dann etwas Licht ins Dunkel seiner Beweggründe, so hirntot zu agieren, wie er (und noch ein paar seiner Komplizen) es offensichtlich tut.

  2. Der Schreibtischtäter Köppel und seine amoralische Hilfstrupp hiessen in den 30-er Jahren in der Schweiz „Fröntler“. Auch sie schwärmten von einem starken Führer und einer gemeinsamen Zukunft mit dem faschistischen Deutschland. Heute schreibt Köppel das faschistische Russland schön.

    • Hervorragender Artikel. Dass Köppel dermassen auf Putin abfährt – das ist einfach nur grauenhaft. Leider hat er immer noch einigen Einfluss auf die SVP, und wohl auch auf andere, die dieses Gedankengut teilen.

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Beziehungen zu Russland: Was war falsch, was nicht?

Nun jagen sich Artikel, die publizistische Rache an Jahrzehnten deutscher und europäischer Russlandpolitik üben. Was war daran falsch, was war richtig oder zumindest vertretbar? Falsch war die Vernachlässigung der militärischen Bereitschaft, richtig war der hartnäckige Einsatz für eine Friedensordnung mit Russland. Diskutabel ist, ob man zu lange an Letzterer festhielt. Vielleicht hätten die Annexion der Krim, die russische Unterstützung der ostukrainischen Sezessionisten zu einer anderen Russlandpolitik führen müssen.

Weiterlesen »

Bilaterale III: Welche Schweiz mit welcher EU?

Ein „Unterwerfungsvertrag“ sei das Vertragspaket Schweiz-EU – als ob die Schweiz unfähig wäre, Ausgleichsmassnahmen zu verkraften, wenn sie ihr Recht auf Ablehnung einer Rechtsübernahme ausüben würde. Eine Schweiz, der sie solche Schwäche unterstellen, halten sie aber für fähig, die Erosion der bilateralen Beziehungen zu ertragen, die ein Nein zu den Bilateralen III zur Folge hätte. Widersprüchlich ist auch ihre Darstellung der EU.

Weiterlesen »