Sie befinden sich hier:

Was hat die Schweiz von der EU zu erwarten?

In der Schweizer Bevölkerung ist das Vertrauen in die EU weiter gesunken: „Auf einer Skala von 1 bis 7 erzielt die EU von allen abgefragten Akteuren im Bereich Politik und Behörden den tiefsten Wert (3,1)“, steht im „Sorgenbarometer“-Bericht 2019. In einem seltsamen Gegensatz dazu stehen die hohen Erwartungen, die der Bundesrat derzeit in die Rücksichtnahme der EU auf die schweizerische Innenpolitik setzt.

„Politischer sowie wirtschaftlicher Druck und Drohungen der EU, man verliere mit der Schweiz allmählich die Geduld, sind im Kampf gegen die SVP-Initiative kontraproduktiv.“ Dies, berichtet die „NZZ am Sonntag“ am 15.12.19, sei eine von drei Botschaften, die die Bundesrätinnen und Bundesräte am World Economic Forum (WEF) in Davos an die Vertreterinnen und Vertreter der EU, darunter Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, richten wollen. Verständnis wird von der EU ausserdem dafür erwartet, dass sich die Schweiz in der Sache Rahmenabkommen bis zur Abstimmung über die Kündigungsinitiative der SVP nicht bewegen wird. Und drittens soll die EU die Börsenäquivalenz wieder herstellen, als Bedingung für die Freigabe der Kohäsionsmilliarde.

Zwischen dem Misstrauen, das der EU in der Schweizer Bevölkerung entgegengebracht wird, und der Europapolitik einer grossen Mehrheit in Bundesrat und Parlament besteht eine Wechselbeziehung. Die Politikerinnen und Politiker beeinflussen einerseits die Meinungen an ihrer Basis, anderseits richten sie sich nach dieser: Eine Rückkoppelung.

Woher denn jetzt diese Hoffnung auf Verständnis seitens der EU? Hat man Zweifel am Bild der EU, das man für sich selber und für seine Wählerinnen und Wähler gemalt hat?

Die SVP hat seinerzeit den EWR mit der Parole bekämpft: „Eines freien Volkes unwürdig!“ Ist es eines freien Volkes würdig, mit der Bitte um Verständnis an die Vertragspartnerin EU zu gelangen, von der man so wenig hält?

Weiterhin ist es realistisch, uns auf eine mehrjährige Kraftprobe mit der EU gefasst zu machen.

Link zum Sorgenbarometer-Bericht des GfS.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Wenn ein EU-Staat die Grenzen schliesst

Deutschland schliesst seine Grenzen gegenüber den Nachbarstaaten, ausser für Grenzgänger. Andere EU-Staaten können folgen. Es hätte nicht dieser Beweise bedurft, dass die EU-Staaten ihre Eigenstaatlichkeit bewahrt haben. Denn wer ihre Innenpolitik beobachtet, erkennt, dass weiterhin wichtige Entscheide auf Staats- oder Gliedstaatsebene gefällt werden. Entsprechend heftig toben wie eh und je die Wahlkämpfe.

Weiterlesen »

Deutschland, Italien, Grossbritannien: Schulterschlüsse für Kraftakte

„Alle gegen die AfD!“ – Kein neuer Duce für Italien! – Das Unterhaus will keinen ungeregelten Brexit und nimmt seine Entmachtung nicht hin. – Ja, es stimmt: Diese Schulterschlüsse sind keine Bündnisse auf Dauer, und „grosse Koalitionen“ sind sowieso ungesund für Länder und Koalitionsparteien. Aber die aktuellen Kraftakte müssen sein und verdienen grossen Respekt.

Weiterlesen »

Europa erleben!

Viele Schweizerinnen und Schweizer haben ein sehr negatives Bild von der EU und ihren Mitgliedländern. Das ist eine tiefer liegende Ursache des Verhandlungsabbruchs über das Rahmenabkommen. Wenn die Beziehungen der Schweiz zur EU und ihren Mitgliedstaaten wieder besser werden sollen, muss viel getan werden, damit viel mehr Menschen Europa ERLEBEN! Authentisch!

Weiterlesen »