Sie befinden sich hier:

Medienförderung: Die seltsamen Selbstverständlichkeiten der Gegnerinnen und Gegner.

Journalistische Arbeit kann finanziert werden:
durch die Konsumentinnen und Konsumenten von Information, Recherche, Analyse und Kommentar;
durch Werbeauftraggeber:innen;
durch Financiers und Financières;
durch staatliche Subventionen – in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen. Mit jeder dieser Finanzierungsquellen sind Risiken von Abhängigkeit verbunden. Ein interessantes Thema. Interessant ist auch, was die Gegnerinnen und Gegner der Medienförderungsvorlage herausgreifen, und was für sie anscheinend selbstverständlich ist.

Mit seltsamer Selbstverständlichkeit treffen Gegnerinnen und Gegner unausgesprochene, aber unverkennbare Annahmen:

1. Der Journalismus muss nur über den Staat unabhängig berichten und kommentieren können, nicht über die Wirtschaft.

2. Finanzielle Abhängigkeit von Werbeauftraggebenden und privaten Financiers, Financières ist deshalb unproblematisch.

3. Journalistinnen und Journalisten lassen sich durch Sympathie für ihre Geldgeber leiten, aber nur für die staatlichen.

4. Zwar wären die neuen Bundesbeiträge nur Teilbeiträge an die Finanzierung journalistischer Arbeit, aber den Journalistinnen und Journalisten wäre ihr Ruf als recherchestark, analytisch und kritisch, und damit ihre Attraktivität am Markt des Medienkonsums, ab sofort egal.

Im Ernst?

Kann das unsere Beurteilungsgrundlage als Stimmberechtigte sein?

Leider müssen wir damit rechnen, dass ein Teil der Gegnerschaft Interesse an einer rasch wachsenden Abhängigkeit des Journalismus von Werbeauftraggeber:innen und Financiers, Financières hat.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Von der Zauber- zur Fluchformel

Tiefpunkt der Absurdität: Zwei Parteien, die zusammen die Mehrheit der Regierung stellen, versenken im Parlament die UBS-Vorlage. Die Unverbindlichkeit der Regierungsbeteiligung erlaubt es, und die zweifelhafte Relevanz des Entscheids erleichtert es.

Weiterlesen »

Braucht die Schweiz die „Zauberformel“, um regierbar zu sein?

Keine Partei, die im Bundesrat vertreten ist, denkt ernsthaft daran, ihn zu verlassen, um nach einigen Jahren als reine Opposition gestärkt an die Macht zurückzukehren. Denn es trifft nicht zu, dass eine grosse Oppositionspartei dank den Instrumenten der direkten Demokratie übermächtig und blockadefähig würde.

Weiterlesen »