Sie befinden sich hier:

Warum es gut ist, dass jetzt eine Europa-Initiative kommt.

„Quatsch“ sei die Europa-Initiative, sagte der neue FDP-Präsident Thierry Burkart der „SonntagsZeitung“ (31.10.21). Nach verbreiteter Meinung passt aber dieses Wort auf die Europa-„Politik“, die zum Scheitern des Rahmenabkommens führte. Dass diejenigen, die die Folgen dieser Fehlleistung nicht tragen wollen, jetzt auf den direktdemokratischen Weg gehen, ist ihr gutes Recht und politisch vernünftig.

Politisch vernünftig ist es, jetzt eine Europa-Initiative zu lancieren, weil diese in zwei bis drei Jahren zur Abstimmung kommt, also wenn klar ist, was die Versuche von Bundesrat und Parlament zur Minderung des angerichteten Schadens gebracht haben. Wenn wir positiv überrascht werden, kann die Initiative zurückgezogen werden. Wenn nicht, können Volk und Stände der schweizerischen Europapolitik die überfällige Wendung geben.

Die Initiative wird durch Operation Libero und die Grüne Partei getragen. Das ist eine überraschende und erfreuliche Entwicklung, waren es doch die Grünen, die seinerzeit der SVP zum knappen Erfolg des Nein zum EWR verhalfen. Voraussetzung für den Entscheid der Grünen, die Europa-Initiative zu unterstützen, war wohl die Aufnahme einer Lohnschutzklausel in den Initiativtext. Dies beruht auf der Überzeugung, dass auch die EU kein Lohndumping durch den Einsatz von Wanderarbeitern will, und dass sie ihre eigenen Schutzmassnahmen stärken wird. Sollte dies nicht eintreten, und sollte sich zeigen, dass es nicht möglich ist, mit der EU ein Abkommen auszuhandeln, das den grünen Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern genügt, könnte diese Allianz vor der Abstimmung über die Initiative zerbrechen.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Soll sich die Schweiz mit einem Freihandelsvertrag mit der EU zufrieden geben?

Die Weigerung, eine Zuständigkeit des Europäischen Gerichtshofs für die Auslegung von EU-Recht anzuerkennen, kann die Schweiz vor die Frage stellen: Gibt sie sich mit einem Freihandelsvertrag zufrieden und verzichtet auf bilaterale Verträge, die EU-Recht enthalten? Dies hat die SVP ja auch schon vertreten. Nutzen wir die Zeit, um abzuklären, welche Auswirkungen dies haben könnte.

Weiterlesen »

Legt sich die Schweiz eine Voll-Opposition zu?

„Die Zauberformel hat ausgezaubert.“ Unter diesem Titel schreibt Michael Hermann im Tages-Anzeiger vom 29.10.2019: „Wir kommen heute nicht mehr umhin, nach jeder Wahl die Regierungszusammensetzung neu auszuhandeln.“ Damit hat er recht. Und wird dies verweigert, retten die Verweigerer die „Konkordanz“ trotzdem nicht. Sie schicken die grünen Kräfte für vier Jahre auf den vielversprechenden Weg einer Voll-Opposition und führen so ein Konkurrenzsystem ein.

Weiterlesen »

Hohe Zeit der Maulwürfe – oder: Real-existierende „Konkordanz“.

„Wie ‚Blick‘ aus mehreren Quellen erfahren hat, schlägt Berset vor, jeweils per Monatsanfang neue Lockerungsschritte vorzunehmen – sofern die Fallzahlen das zulassen. (…)“ (Blick, 17.2.21) – Und der neuste Hit aus der Polit-Zoologie: Maulwürfe werfen auch Maul über Artgenossen. „Sittenbild“ der real-existierenden „Konkordanz“.

Weiterlesen »