Was geht dies die Schweiz an – rückblickend und vorausschauend?
Rückblickend:
Das nationalsozialistische Deutschland stellte eine latente Bedrohung der Schweiz dar. Aus einem deutschen Soldatenlied: „Die Schweiz, das kleine Stachelschwein, das nehmen wir im Rückweg ein.“ Dem Bundesrat gelang es, Deutschland punktuell so entgegenzukommen, zum Beispiel durch Rüstungsproduktion und durch sichere Verwahrung von Geldern, dass die Einnahme der Schweiz für die deutsche Führung keine Priorität bekam. Sie wollte keine Truppen, die anderswo dringend benötigt wurden, in der Schweiz binden.
Aber ein „Regime Change“ in Deutschland, wie ihn die Widerständigen erzwingen wollten, wäre auch im Interesse der Schweiz gewesen – und notabene der in der Schweiz lebenden jüdischen Menschen. Und die grosse Mehrheit der schweizerischen Bevölkerung, welche die Nazis, ihre Diktatur und ihre Untaten verabscheuten, hätte ihn begrüsst.
Vorausschauend:
Die AfD will die europäische Nachkriegsordnung beseitigen. Deutschland solle aus der Europäischen Union und aus der Nato austreten. Die AfD will eine grundlegend andere Russland-Politik: Eine Öffnung gegenüber Putin und seinen imperialen Absichten. Sie würde die Menschenrechte ausser Kraft setzen. Und sie äussert sich in Richtung Rehabilitierung des Nationalsozialismus, was sogar dem Rassemblement National von Marine Le Pen, das der AfD programmatisch nahesteht, eine Fraktionsgemeinschaft im EU-Parlament unmöglich macht – die Verbrechen der Nazis im besetzten Frankreich sind dort unvergessen und unverziehen.
AfD und Schwesterparteien – auch in der Schweiz – wollen ein Europa ungebundener Nationalstaaten: Ein Europa des 19. Jahrhunderts – ein Europa, das in zwei Weltkriege geriet. Ein solches Europa ist nicht im Interesse der Schweiz.
Deshalb gehen der 20. Juli und die auf diesen Gedenktag hin ausgesprochenen Warnungen vor der AfD auch die Schweiz an.