Die Koalitionsbildung zwingt die Parteien, Kompromisse einzugehen. Aber sie müssen auch dafür sorgen, dass ein Teil ihres Programms in die Regierungspolitik einfliesst. Sonst haben sie die Abwanderung eines grossen Teils ihrer Wählerinnen und Wähler zu einer anderen Partei oder in die Wahlabstinenz zu gewärtigen.
Viele deutsche Wählerinnen und Wähler erwarten aber auch eine konstruktive Haltung der Parteien gegenüber der Aufgabe, eine Regierung zu bilden. Die Weigerung der FDP 2017, in einer Koalition mit CDU und Grünen mitzuregieren, war der Partei zunächst nicht förderlich. Nun wurde sie wieder gestärkt, aber das wird darauf zurückzuführen sein, dass sie eine klare liberale Alternative zur Regierungspolitik der grossen Koalition anbot. Sie wird auch Stimmen von Wählerinnen und Wählern bekommen haben, die eine Lockerung der Corona-Massnahmen wollen.
In einer Koalition mit SPD und Grünen, womöglich mit einer grünen Bundeskanzlerin oder einem grünen Bundeskanzler, wäre es für die FDP noch schwerer als 2017, wenn nicht unmöglich, eine Regierungspolitik mitzugestalten, die eine Erosion der FDP-Basis verhindert. Die FDP kann also nur hoffen, dass sich die Unionsparteien soweit erholen, dass es wieder um eine Jamaika-Koalition und nicht um eine Ampel-Koalition geht.