Sie befinden sich hier:

„Sieh vorwärts, Werner, und nicht hinter Dich!“

Schillers Tell ist ein Epos des Zusammenstehens.

Friedrich Schiller stellte Wilhelm Tell in den Vordergrund seines Dramas über die Gründung der Eidgenossenschaft. Dafür hatte er gute Gründe – nicht nur die Bekanntheit des Namens, die Beliebtheit des Heldenepos in ganz Europa.

Aber Schiller hat uns auch die Stauffachers nahe gebracht. Und es ist deren Haltung, die wir Schweizerinnen und Schweizer uns heute vor Augen stellen: Die Haltung des Zusammenstehens, heute im demokratischen Europa. Und Schiller, der mit Charlotte eine starke, kluge Frau zur Seite hatte, lässt die Stauffacherin ermutigen: „Sieh vorwärts, Werner, und nicht hinter Dich!“

Unsere Isolationisten und nationalistischen Kraftmeier lieben Tells Ausspruch: „Der Starke ist am Mächtigsten allein.“ Aber Schiller lässt Tell diesen Eigensinn überwinden. Tell bringt sich und seine Kraft in den Dienst der Gemeinschaft ein.

Es braucht Beides: Die starke Eigenleistung – den Tell – und den Gemeinsinn – die Stauffachers, ihren Gemeinsinn und ihre Fähigkeit, diesen auch bei Anderen zu aktivieren. Und heute, angesichts der Aggressionen autoritärer Mächte, muss der schweizerische Gemeinsinn auch ein europäischer sein.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Denkmäler bezeugen zeitgebundene Werthaltungen von Führungsschichten

Denken wohl Behörden oder Herrscher, die ein Denkmal errichten lassen, daran, dass ihre Wertung der Person, die sie ehren, später einmal umstritten sein wird oder gar mehrheitlich abgelehnt wird? Wer eine Person in einem Denkmal ehrt, müsste bejahend vorwegnehmen, dass diese später anders beurteilt wird. Die Beseitigung eines Denkmals kann als Teil einer notwendigen Debatte über die Bedeutung vergangener Taten für Gegenwart und Zukunft eine diskussionswürdige Forderung sein. Sie kann ergänzt werden durch neue und neuartige Denk-Anregungen im öffentlichen Raum, wie die „Stolpersteine“, die in Städten Deutschlands und anderer Länder an Opfer des Holocausts und anderer Nazi-Verfolgungen erinnern.

Weiterlesen »

Steht dem Westen eine lange Koexistenz mit Putin bevor?

Kernkompetenzen von Diktatoren sind Machterhaltung und Unterdrückung von Widerständen. Mit Stalin und Mao musste der Westen jahrzehntelang koexistieren. Hitler stürzte nur, weil er und seine Verbündeten den Zweiten Weltkrieg verloren. Wie steht es um die Hoffnungen, der Ukraine-Krieg werde zu Putins Sturz führen?

Weiterlesen »