Sie befinden sich hier:

Führt ein Nein zur Medienförderung zu Quersubventionierung von Redaktionen aus rentablen Konzernsparten??

Gegen die Medienförderung wird unter anderem geltend gemacht, dass die Grossverlage die Bundesbeiträge gar nicht nötig hätten, weil sie ihre defizitären Redaktionen aus ihren gewinnbringenden Konzernsparten finanzieren und stärken könnten. Darauf sollte man sich wohl eher nicht verlassen.

Da die Verlegerfamilien die Subventionen nicht bräuchten, weil sie ja – abgesehen von den Redaktionen – Gewinne erzielten, könnten sie die Steuergelder direkt zur Finanzierung von Villen, Yachten, teuren Ferien und rauschenden Partys verwenden…

Abseits der Polemik stellt sich eine Frage, zu der die Beurteilung durch Ökonominnen und Ökonomen gefragt ist: Wie ist Quersubventionierung von gewinnbringenden Unternehmensbereichen in defizitäre zu beurteilen?

Der Laie in Wirtschaftswissenschaft kann sich vorstellen, dass es darauf ankommt, ob die gewinnbringenden Unternehmensbereiche in Märkten tätig sind, in denen Konkurrenz herrscht. Wer kein Monopol hat, müsste wohl grundsätzlich mit dem Gewinn für die Verbesserung und Verbilligung seines Angebots sorgen. Wird dies durch eine Quersubventionierung eingeschränkt oder gar verhindert, kann sich ergeben, dass die Quersubventionierung nicht nachhaltig ist, weil die Unternehmensteile, die quersubventionieren müssen, an Wettbewerbskraft verlieren und mit der Zeit weniger Gewinn erzielen.

Natürlich wäre kräftige Quersubventionierung der Redaktionen aus den gewinnbringenden Konzernsparten erwünscht, und die Forderung danach ist grundsätzlich berechtigt. Ob und in welchem Masse sie aber möglich und nachhaltig ist, bedarf wohl guter Kenntnis und Beurteilung der konkreten Verhältnisse, insbesondere der Märkte.

Darf man hoffen, dass die Grossverleger ein Nein zur Medienförderung als Auftrag zur Quersubventionierung ihrer Redaktionen entgegennähmen und diesen Auftrag ausführen würden? Ich verlasse mich nicht darauf und empfehle deshalb ein Ja zur Vorlage.

Siehe auch: „Medienförderung: Die Chefs und Chefinnen der Grossverlage müssen sich ins Getümmel stürzen“ (Link).

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Konzernverantwortung: Unternehmensberichte stellen neue Anforderungen an Qualitätsjournalismus

Der Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative, der nächstes Jahr in Kraft treten wird, verlangt von Unternehmen einen „Bericht über nichtfinanzielle Belange“, der Rechenschaft gibt „über Umweltbelange, insbesondere die CO2-Ziele, über Sozialbelange,
Arbeitnehmerbelange, die Achtung der Menschenrechte sowie die Bekämpfung der Korruption“. Wer der Initiative zustimmte, wird diese Berichte misstrauisch aufnehmen – die Unternehmen selber werden erneut ihre Klagen über falsche Beschuldigungen seitens von NGO’s erheben: Eine Herausforderung an Qualitätsjournalismus.

Weiterlesen »

Die Schweiz braucht wohl einige Jahre des Kräftemessens mit der EU

Jetzt zerschlagen sich die Hoffnungen, die EU könnte ihre Forderung nach baldigem Abschluss eines Rahmenabkommens mildern. Die Kommission nimmt auch auf die bevorstehende Abstimmung am 17. Mai über die Kündigungsinitiative (Begrenzungsinitiative) keine Rücksicht mehr. Sie fordert eine Stellungnahme der Schweiz bis 25. Mai: „Die EU gibt der Schweiz neun Tage Zeit“ (Stephan Israel und Luca de Carli, Tages-Anzeiger 1.2.20, S. 4). Damit lanciert die EU diese Stellungnahme wuchtig als Thema dieses Abstimmungskampfs.

Weiterlesen »

Bundesratswahl: Einbinden ist kein Thema. Zu Recht?

Einbinden funktioniert im „Konkordanz“-System der unverbindlichen Regierungszugehörigkeit nicht: Dass sie Bundesräte stellen, hat SVP und SP nicht gemässigt. Die SVP hat mit der (abgelehnten) Selbstbestimmungsinitiative, der zur Abstimmung kommenden Kündigungsinitiative und dem Würmer-Inserat einen vorläufigen Höhepunkt ihrer Radikalität erreicht, und in der SP werden Juso und Gewerkschaften immer stärker. Weshalb sollten ausgerechnet die Grünen eine konsequente Regierungspartei werden?

Weiterlesen »