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Klicks wichtiger als Relevanz – und Verzicht auf SDA-Leistungen. Zusammenhang?

Themen wie Relevanz hätten heutzutage im Journalismus – auch ausserhalb von CH Media – nicht mehr denselben Stellenwert, stattdessen herrsche ein starker Fokus auf Klicks. So begründet Andreas Möckli, warum er die Leitung des Wirtschaftsressorts von CH-Media verlässt, und damit auch das Verlagshaus, und vielleicht gleich auch den Journalismus.* – Hängt es mit dieser Entwicklung zusammen, wenn Medienhäuser finden, sie bräuchten die SDA weniger oder gar nicht mehr?

„Nachrichtenagentur unter Druck: Keystone-SDA verliert weitere grosse Aufträge“, meldet „Persönlich“ am 13.12.20 (Link) unter Berufung auf die „NZZ am Sonntag“.

Aus dem Bericht der „NZZ am Sonntag“ vom 13.12.20 (Link):

„Die grossen Verlage versuchen nun, News vermehrt aus eigener Kraft herzustellen. Die schnörkellosen Agenturmeldungen würden von der Online-Leserschaft schlechter angeklickt als meinungsstarke oder selber recherchierte Texte, heisst es bei den Verlagen.“

Angesichts des Einnahmenschwunds der Branche wird man Absichtserklärungen, Redaktionen auszubauen, mit Vorsicht aufnehmen.

Gut nachvollziehbar ist, dass sich die Redaktionen vermehrt durch Eigenleistung profilieren wollen – wobei die Annahme, dass mehr „meinungsstarkem Journalismus“ den Bedürfnissen der Leserinnen und Leser entgegenkommt, durchaus diskutabel ist. Ob der Verzicht auf eine breit angelegte, solide Belieferung mit Agenturnachrichten eine stärkere Eigenprofilierung fördern wird ist fraglich: Journalistische Arbeitskraft, die recherchieren, einordnen und kommentieren könnte, muss der Grundlagenarbeit der Nachrichtenbeschaffung nachgehen. Die Schweizerische Depeschenagentur, heute Keystone-SDA, war und ist hierfür eine gemeinschaftliche Selbsthilfeorganisation der Verlage. Nun steht ihre Zukunft in Frage.

Um das Relevante zu erkennen, sollte man wohl das Geschehen möglichst vollständig überblicken. Hierzu verhilft die Nachrichtenagentur. Wenn Andreas Möcklis Beurteilung zutrifft, wonach das Kriterium Relevanz zugunsten des Kriteriums „Klick“ an Bedeutung verliert, mag es auch sein, dass man sich zutraut, ohne Gesamtüberblick zu entscheiden, welchen Themen man nachgeht.

Dann müssen wir damit rechnen, dass uns traditionelle Medien auf wichtige Vorgänge nicht aufmerksam machen, oder zu spät, sodass wir mehr und mehr darauf angewiesen sind, uns im Internet, bei einer neuartigen Quellenvielfalt, selbständig umzusehen. Es wird anspruchsvoller, kompetent partizipierend Bürgerin, Bürger zu sein.

Link zum Bericht „Wirtschaftschef Andreas Möckli hat gekündigt“.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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