Die Redaktion der „NZZ am Sonntag“ habe sich „ideologisch austoben“ können, schreibt der ständige Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann in der „Weltwoche“ vom 18.3.21. Sie habe die „vormals liberale“ Zeitung in ein „bunt-rot-grünes Jekami“ verwandelt. „Klimaschutz, Genderismus, Multikulti und Wirtschaftskritik waren aufeinmal dominierende Themen im Blatt.“
Zimmermann nimmt für sich in Anspruch, einen verlässlichen Informationskanal zu Entscheidungsträgern in der NZZ zu haben, wenn er schreibt: „Die Führungsetage der konservativen NZZ-Gruppe zog darum die Reissleine und begann im letzten Sommer mit der Suche nach einem bürgerlich-verlässlichen Nachfolger.“
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Man erinnert sich daran, dass diese „Führungsetage“ – wenn damit der Verwaltungsrat und dessen Präsident gemeint sind – Markus Somm zum Chefredaktor der NZZ des Werktags machen wollte. Nur massiver Widerstand aus Redaktion, Leserschaft und Aktionariat führte zur Ernennung Eric Gujers. Vielleicht als Kompromiss bekam die Richtung, die auf Somm verzichten musste, dann mit Feuilletonchef René Scheu immerhin ein Mitglied der Redaktionsleitung, und der rechte Flügel der Redaktion wurde weiter gestärkt, vor allem durch Zuzug Lucien Scherrers von der „Weltwoche“. Und demnächst kommt von Köppels Blatt auch Katharina Fontana zurück an die Falkenstrasse.
Wenn die „NZZ am Sonntag“ tatsächlich auf den Kurs gebracht wird, den die Leitung des Werktagsblatts vorgibt, öffnet sich eine Marktlücke. Sie könnte und müsste wohl online gefüllt werden. Man unterschätzt die Entschlusskraft und Handlungsfähigkeit Liberaler, die der bisherigen „NZZ am Sonntag“ verbunden waren, wenn man ihnen nicht zutraut, sich hierfür etwas einfallen zu lassen und tätig zu werden. Einfach ist es nicht, aber – und das ist entscheidend – auch nicht unmöglich.
Auf regionaler Ebene ist bereits eine Erneuerung im Gang. Siehe hierzu:
„Medien: Konzentration und Abbau wecken Kräfte der Erneuerung. Neustes Beispiel in Bern.“ (Link)