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Nazis rüsten auf.

Polizei und Militär, die loyal zu Rechtsstaat und Demokratie stehen, werden dadurch immer wichtiger.

Extremismusforscher Robert Claus in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 13.12.20 unter dem Titel „Jeder vorbestrafte Nazi darf ein Gym eröffnen“ (Auszug aus seinen Antworten; Link zum Interview):

In den Debat­ten der vergan­ge­nen Jahre um Migra­ti­on wurde eine starke Poli­ti­sie­rung der Hooli­gan­sze­ne deut­lich, die ihr Gewalt­po­ten­ti­al seit­her in menschen­ver­ach­ten­de Aufmär­sche einbringt. Zudem gibt es insbe­son­de­re in Sach­sen enorme Schnitt­men­gen mit der extre­men Rech­ten. Sie vereint ihr Sozi­al­dar­wi­nis­mus, sie trai­nie­ren Kampf­sport für poli­ti­sche Gewalt. (…)

Bei der Debat­te um Geflüch­te­te war der massi­ve Rassis­mus der Anknüp­fungs­punkt. Bei den Corona-Debat­ten ist es der Sozi­al­dar­wi­nis­mus und die Feind­lich­keit gegen­über dem demo­kra­ti­schen Rechts­staat. Bei einer Demons­tra­ti­on gehen sie auf Poli­zei und Jour­na­lis­ten los. Es ist immer das Ziel, mit der Gewalt einen gesell­schaft­li­chen Zustand herbei­zu­füh­ren, bei dem der demo­kra­ti­sche Rechts­staat Minder­hei­ten nicht mehr schüt­zen kann und nicht mehr die Kontrol­le hat. (…)

Wir reden über mili­tan­te Neona­zis, die diese libe­ra­le Repu­blik, ihre Demo­kra­tie hassen und ableh­nen. Das ist die Ideo­lo­gie. In der Orga­ni­sa­ti­on reden wir über profes­sio­na­li­sier­te Kampf­sport­netz­wer­ke, die eigene Wirt­schafts- und Finanz­kreis­läu­fe aufge­baut haben. Indem sie eigene Kampf­sport­gyms eröff­nen, durch die sich ein Teil der Leute als Betrei­ber oder Trai­ner finan­ziert. (…)

Sie können ihre Gewalt­kom­pe­tenz, ihre Kampf­fä­hig­kei­ten, in eine beruf­li­che Lauf­bahn ummün­zen. Die Secu­ri­ty­bran­che zum Beispiel ist sehr finanz­träch­tig (…).

Eine Lizen­zie­rung würde sicher­lich nicht alle Proble­me lösen, aber sie könnte ein wich­ti­ger Baustein sein. Heute darf jeder vorbe­straf­te Neona­zi in Deutsch­land ein Kampf­sport­stu­dio aufma­chen. Das ist ein Problem. Im orga­ni­sier­ten Sport, bei den Mitglieds­ver­bän­den im Deut­schen Olym­pi­schen Sport­bund, herr­schen andere Regu­la­ri­en. Aber es wird immer mehr durch­ge­setzt, dass Trai­ne­rin­nen und Trai­ner im Jugend­be­reich ein Führungs­zeug­nis vorle­gen müssen, was vor allem sexua­li­sier­ter Gewalt vorbeu­gen soll. Das ist ein Beispiel, wie poten­ti­ell straf­fäl­li­gen Situa­tio­nen vorge­beugt wird. Ähnli­ches fehlt auf dem freien Kampf­sport­markt weitest­ge­hend. Denn letzt­lich soll­ten vor allem die Akteu­re gestärkt werden, die sich deut­lich gegen Diskri­mi­nie­rung und Gewalt posi­tio­nie­ren, die ihr Studio mit einem entspre­chen­den Anspruch führen. Es gibt sie ja, sie sind nur zu wenig sicht­bar. Es braucht also immer beides: einen wert­schät­zen­den und kriti­schen Diskurs. (…)

Diese große Masse an Gyms ist aufge­for­dert, sich deut­li­cher zu posi­tio­nie­ren und zu verste­hen, dass es hier nicht allein um Sport geht, sondern um die Frage, ob man an der Gewalt­aus­bil­dung von mili­tan­ten Faschis­ten mitwir­ken will. Und jeder Neona­zi, den man bei sich trai­nie­ren lässt, der tut genau das. Was machen diese Leute mit der erlern­ten Gewalt­kom­pe­tenz außer­halb der Gyms: bei Fußball­ran­da­len, bei poli­ti­schen Demons­tra­tio­nen, bei Stra­ßen­ge­walt? Das ist die entschei­den­de Frage, nicht, ob die im Gym zu allen nett sind. Und nach Ereig­nis­sen, wie wir sie in Leip­zig gese­hen haben, vermis­se ich die Stim­men von Kampf­sport­or­ga­ni­sa­tio­nen. Es ist klar, dass da extrem rechte Kampf­sport­ler betei­ligt sind. Wo ist die Orga­ni­sa­ti­on, die sagt: Das Problem ist da, wir wollen dage­gen arbei­ten, diese Leute gehö­ren nicht zu uns? Ich habe nicht eine einzi­ge gehört.“

Hierzu auch: „Rechtsstaat und Demokratie brauchen loyale, von ihren Werten überzeugte Sicherheitsorgane“ (Link).

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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