Leserinnen und Leser dieses PolitReflex können sich leicht selber informieren durch eine Internet-Recherche, zum Beispiel mit den Suchbegriffen Immunsystem und Alter. Vorweg klar ist, dass es nicht nur um COVID-19, sondern um alle infektiösen Krankheiten und um Krebs geht.
Ich anerkenne die demografische und finanzierungsplanerische Berechtigung und Notwendigkeit einer Erhöhung des Rentenalters. Aber bevor man eine an sich plausible Massnahme trifft, muss man sich über die Erfolgsaussichten und mutmasslichen Nebenwirkungen klar zu werden versuchen. Bei der Frage der Erhöhung des Rentenalters geht es einerseits darum, ob und in welchem Masse bei Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden eine längere Erwerbstätigkeit durchgesetzt werden kann. Frühpensionierung ist sehr beliebt, wenn man sie sich leisten kann, und ob der Fachkräftemangel die Beschäftigung von Seniorinnen und Senioren fördert, wird sich zeigen müssen.
Anderseits ist nun wohl auch zu prüfen, welche Auswirkungen auf die Gesundheit von Arbeitskräften über 65 – und damit auf die Kostenentwicklung des Gesundheitswesens eintreten könnten.
Es geht mir nicht darum, eine Erhöhung des Rentenalters zu bekämpfen. Aber sie sollte wohl durch flankierende Massnahmen ergänzt werden, zum Beispiel durch Förderung regelmässiger Untersuchungen und Grippeimpfungen für Arbeitnehmende ab einem noch zu ermittelnden Alter. Von ärztlicher Seite hört man, dass die Grenze bei COVID-19 eigentlich bei 60 Jahren, nicht erst bei 65, hätte angesetzt werden müssen. Und vielleicht würde eine Flexibilisierung, verbunden mit Anreizen zu längerer Erwerbstätigkeit, bessere Ergebnisse versprechen als eine generelle Erhöhung.