Sie befinden sich hier:

Wenn Alzheimer heilbar wird. Hoffnung für Viele, Herausforderung für die Gesellschaft.

Neuste Forschungsergebnisse lassen nun ernsthaft die Hoffnung auf ein Medikament zu, das die vielgefürchtete Alzheimerkrankheit stoppt, bevor sie Demenzsymptome hervorruft. Stefanie Becker, Direktorin von Alzheimer Schweiz, stellt dazu die Frage: „Werden wir bereit sein?“

„Eine wirksame Behandlung der Alzheimerkrankheit durch neue Medikamente kommt in Sichtweite“, stellt die Expertin fest. „Sich darauf vorzubereiten, wird die nächste grosse Herausforderung an das Gesundheitswesen sein.“ Und Stefanie Becker zitiert Suzanne Schindler, klinische Neurologin an der Washington University in St. Louis. In deutscher Übersetzung:

«Wir werden überflutet werden von Patientinnen und Patienten, die daran interessiert sind, und wir werden keine genügende Kapazität für sie haben.»

Aus einem Bericht des „Wall Street Journal“ unter dem Titel „Access to New Alzheimer’s Drugs might depend on where you live. Big clinics are giving Leqembi to some patients while rural providers wait and watch.“ (Link)

*

Stefanie Beckers Aufruf zur Vorbereitung unseres Gesundheitssystems auf neue Alzheimer-Medikamente, die die Krankheit stoppen oder heilen, ist sehr nötig und berechtigt. Es droht sonst auch eine soziale und sozialpolitische Krise: Wird die Zugänglichkeit zu zumindest anfänglich teuren Medikamenten, die die Entwicklung von Demenzsymptomen verhindern, ein Fall von „Klassenmedizin“ werden? Onkel vermag sie, Tante nicht – sie wird dement werden? Da drohen uns menschliche und politische Erschütterungen. Und den nationalen Alzheimer- und Demenz-Organisationen stellt sich eine neue, konzeptionelle und politische Aufgabe, die über die wertvolle praktische Unterstützung und Beratung der Betroffenen und ihrer Angehörigen hinausgeht.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

„Sterben lassen!“ – Höchste Zeit, sich dieser Forderung zu stellen.

„Sterben lassen!“ Bis jetzt wurde diese Forderung meist erst zurückhaltend vertreten. Jetzt kommt sie enttabuisiert und knüppeldick daher: „Es gehen Milliarden von Franken verloren für ein paar Hundert weniger Tote“ (Sami Sawiris, Hotel Chedi Andermatt, in der SonntagsZeitung vom 3.5.20). „Ab jetzt darf es nur noch eine Richtung geben: zurück zu einer neuen Art der Normalität, die so wirtschafts- und damit auch lebensfreundlich ist wie nur möglich“ (Andreas Kunz, Redaktionsleiter desselben Blattes).

Weiterlesen »