Sie befinden sich hier:

Könnte Putin dem Beispiel folgen, das US-Präsident Harry Truman gab?

Nachdem ukrainische Truppen Städte zurückerobert haben, fordern empörte Russen bei „Telegram“ einen „nuklearen Angriff auf die westliche Ukraine, um sie zu einer Kapitulation zu zwingen“ („NZZ am Sonntag“, 11.9.22, S. 1). Zwang zur Kapitulation – das war das Ziel, das US-Präsident Harry Truman verfolgte, als er befahl, auf Hiroshima und Nagasaki Atombomben abzuwerfen.

Putin betrachtet die Ukraine als Teil Russlands. Zerstört man eine Zivilisation, die man als eigene beansprucht, mit Atomwaffen? Bis jetzt konnte man dies als unwahrscheinlich betrachten. Russland könnte atomare Gefechtsfeldwaffen eher einsetzen, wenn es NATO-Territorium angreifen würde.

Anderseits: Truman war der letzte Herr über Atomwaffen, der solche exklusiv besass. Während des letzten Kalten Kriegs herrschte die Annahme vor, wegen der Einsicht in die zu erwartende gegenseitige Zerstörung, „Mutual Assured Destruction“, passend abgekürzt MAD, werde es nicht zu einem Atomkrieg kommen. Können wir uns darauf noch verlassen? Trump äusserte einmal die Frage, weshalb er denn Atomwaffen habe, wenn man sich nicht vorstellen könne, sie einzusetzen (Link). Wir wissen nicht, ob in Atommächten Kriegsführungskonzepte für einen begrenzten Einsatz nuklearer Gefechtsfeldwaffen entwickelt wurden. Dazu kommt inzwischen die Gefahr, die von einer Atommacht wie Nordkorea ausgeht, die sich nicht um MAD schert.

Putin mag Gründe haben, dem Beispiel Trumans nicht folgen zu wollen, auch wenn er dazu gedrängt wird. Allerdings liess er kürzlich Atom-U-Boote vor Grossbritannien und Italien aufkreuzen, um den Westen einzuschüchtern.

Wie man die Wahrscheinlichkeit eines Atomwaffeneinsatzes auch einschätzt: Unmöglich ist er nicht. Der Bevölkerungsschutz muss sich darauf vorbereiten und die Bevölkerung über diese Vorbereitungen informieren. Und die Politik darf dem Bevölkerungsschutz keine geringere Aufmerksamkeit zuwenden als der Erneuerung der Luftwaffe.

Hierzu auch:

„Ist die Bevölkerung über die Schutzvorkehrungen für den Fall eines Atomwaffeneinsatzes informiert?“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Was die Mitwirkung der Schweiz im UNO-Sicherheitsrat nützt

Primär wird man den Nutzen der Mitwirkung der Schweiz als nichtständiges Mitglied im UNO-Sicherheitsrat daran messen, ob sie in den kommenden zwei Jahren mit andern Ratsmitgliedern dazu beitragen kann, die vier Prioritäten voranzubringen, für die sich der Bundesrat entschieden hat: Friedensförderung, Schutz der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten, Klimasicherheit, Stärkung der Effizienz des UNO-Sicherheitsrats. Aber unabhängig davon werden die Erfahrungen, die die Schweiz macht, förderlich sein für die künftige Gestaltung einer realistischen Aussen- und Sicherheitspolitik.

Weiterlesen »

„Die SVP hat auf ganzer Linie gesiegt“

Wofür tritt Eric Gujer, Chefredaktor der „Neuen Zürcher Zeitung“, mit seinem Leitartikel vom 20. Juni 2026 ein, der mit der Huldigung beginnt: „Christoph Blocher ist ein Visionär“? Und der schliesst: „Die SVP hat auf ganzer Linie gesiegt. Genau das bringt den Kleinstaat nun in die Bredouille“?

Weiterlesen »