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Führung junger Männer. Gedanken zur gesellschaftlichen Relevanz des Mannschaftssports.

Junge Männer waren und sind zu allen Zeiten eine Herausforderung für die Gesellschaft, in der sie leben. Deshalb lohnt es sich, im Mannschaftssport die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Führung zu beobachten.

Junge Männer! Da fällt uns Kraft, Übermut, Lust auf Kräftemessen, Provokation, sexuelles Erleben, auf Eigenmacht, auf Gruppendynamik ein – und die Bereitschaft, charismatischer Führung, „Leitwölfen“ zu folgen, seien sie gleichaltrig oder älter: „Captain, my Captain!“. Mit ins Bild gehören aber auch Sensibilität, Verletzlichkeit und oft emotional wie intellektuell ein grosses Potenzial.

In den glorifizierten Zeiten unseres Landes wurden viele junge Männer Söldner. Sie konnten sich austoben. Töten und getötet werden war ihr Leben. Wenn sie den Söldnerdienst überlebten, konnten sie reich und mächtig sein – oder unheilbare körperliche und seelische Verletzungen erlitten haben.

„Go West, Young Man!“ Das war die Losung für junge Männer in der Pionierzeit der Vereinigten Staaten: Die Erschliessung wilder Gegenden, leider auch die Vertreibung, Unterdrückung oder gar Vernichtung indigener Menschen, konnte junge Männer ihrer Lebenslage entsprechend absorbieren und faszinieren.

Eine leistungs- und erfolgsorientierte, aber auch verantwortungsvolle, ethische Grenzen setzende, Regeln durchsetzende  Führung junger Männer durch Trainer und Clubleitungen ist eine gesellschaftlich wertvolle Aufgabe, ebenso wie diejenige der Schiedsrichter. Eine besonders ermutigende Errungenschaft ist, dass daran heute – wenn auch erst vereinzelt – auch Frauen mitwirken.

Werfen wir noch einen Blick ins Publikum, auf rassistische, homophobe und andere destruktive Kräfte, die sich darin freisetzen. Die Teams, die jungen Männer und ihre Führungen haben hier eine grosse Chance, durch klare Haltung und entschiedene Intervention auf die gesellschaftliche Entwicklung Einfluss zu nehmen.

Es ist im Mannschaftssport nicht alles zum Besten bestellt. Aber er ist gesellschaftlich relevant, und wer sich bemüht, verdient Respekt und Beachtung, auch in dieser Hinsicht, nicht nur für die Tore, die das Team schiesst.

Übrigens: Vladimir Petković , Trainer der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, war „neben seinem ersten Trainerjob bei AV Bellinzona hauptsächlich bei Caritas Tessin als Sozialarbeiter tätig und betreute Arbeitslose sowie alkohol- wie auch drogenabhängige Menschen“ (Link).

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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