Sie befinden sich hier:

Der Komponist Joachim Raff – wirkungsstark in Erinnerung gerufen

Weshalb ist das Archiv Joachim Raff in Lachen SZ ein Thema für „PolitReflex“? Weil es eine eindrückliche, erfolgreiche Leistung begeisterter, hingebungsvoller Einzelner ist. Und weil ein kulturelles Leben und Denken, das sich nicht in passivem Erleben und in Kult erschöpft, auf solche Leistungen angewiesen ist. Sie hervorzuheben und zu würdigen, ist deshalb Kulturpolitik.

Anlass dieser Würdigung ist die soeben erschienene Buchpublikation „Linien & Klang. Dokumente & Geschichten aus dem Joachim-Raff-Archiv“, verfasst durch Res Marty, den langjährigen Präsidenten und nun Ehrenpräsidenten der Joachim-Raff-Gesellschaft, und durch diese herausgegeben.

Dank der kompetenten und unermüdlichen Tätigkeit dieser Gesellschaft werden Raffs Werke in der Schweiz und darüber hinaus immer öfter aufgeführt. Stark daran beteiligt hat sich die Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer (siehe zum Beispiel hier), So macht sich die Erkenntnis breit, dass dieser Komponist der Romantik neben Zeitgenossen wie Franz Liszt und Richard Wagner bestehen kann.

Wer aber war Joachim Raff? Auf der biografischen Webseite des Archivs lesen wir: „Am 27. Mai 1822 kam in Lachen am Zürichsee Joseph Joachim zur Welt. Nach der Schulausbildung wurde Raff zuerst Primarlehrer in Rapperswil. Nach vier Jahren Schuldienst und autodidaktischer Ausbildung in Klavier- Orgel- und Violinspiel wählte er den Musikerberuf. Im Sommer 1845 engagierte der Klaviervirtuose und Komponist Franz Liszt den jungen Raff als Sekretär. In diese Zeit fallen auch erste grössere Aufführungen seiner Werke («König Alfred» am Weimarer Hoftheater). Auf die Dauer war aber Raffs eigenständiger Charakter mit dem Liszts nicht zu vereinbaren und der junge Komponist ging (auch stilistisch) seine eigenen Wege. 1856 verliess er Weimar und siedelte sich für 21 Jahre in Wiesbaden an. Es folgte eine Zeit intensivster kompositorischer Tätigkeit neben seinem Wirken als Klavierlehrer und Dozent für Harmonielehre. 1877 wurde Raff als erster Direktor des Hochschen Konservatoriums nach Frankfurt berufen. Das Institut gewann in den ersten Jahren einen internationalen Ruf, nicht zuletzt dank Raffs Anstellung vorzüglicher Musikerpersöhnlichkeiten (Julius Stockhausen, Clara Schumann…). Kurz nach seinem sechzigsten Geburtstag, in der Nacht vom 24. auf den 25 Juni 1882, starb Raff in seiner Wohnung in Frankfurt an einem Herzinfarkt.“

Zum Wert von Archiv und Buch sei aus dem Beitrag der Direktorin und des Direktor des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Zürich, Prof. Inga Mai Groote und Prof. Laurenz Lütteken zitiert: „Das Musikwissenschaftliche Institut der Universität Zürich unterstützt die Arbeit des Joachim-Raff-Instituts in Lachen nachdrücklich. In den letzten Jahren ist, insbesondere durch das Engagement von Dr. Severin Kolb, einem Alumnus unseres Instituts, eine beeindruckende Aufbauarbeit geleistet worden, die eine hervorragende Basis für die weitere Erforschung des Komponisten darstellt. Dies zeigt sich bereits am Aufbau der Online-Plattform und der begonnenen gründlichen Erschliessung des Briefwechsels. Damit wird es möglich, das Wirken eines bedeutenden Protagonisten der Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts besser zu verstehen und im Kontext seiner Zeit einzuordnen.(…)“

 

 

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Ein Kommentar

  1. Ein fast überfällige Würdigung, der ungewöhnlich weitsichtig von Einzelpersonen zusammengetragenen Informationen und Archivarien, brillant auf- und ausgebaut im Lachener-Archiv, eines Komponisten von epochaler Bedeutung. Eine besondere Bedeutung kommt der hervorragend herausgearbeiteten und noch laufend auszubauenden Darstellung des Beziehungsnetzes des Komponisten in der damaligen Zeit zu. Das kommentierte Buch liest sich fesselnd und lehrreich zugleich
    und kommt einem Vermächtnis des Verfassers nahe.

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

„Leben als höchstes Gut“ – Stichworte zu Bedeutung und Zukunft der Kulturkritik

„Leben als höchstes Gut“. Unter diesem Titel meldet die deutsche „Nachtkritik“ unter Berufung auf „Persönlich“: „Schweizer Mediengruppe streicht Feuilleton. Die Redaktion der Schweizer Mediengruppe Tamedia fasst mehrere Ressorts zu einem neu formierten Ressort namens „Leben“ zusammen. Betroffen sind neben den Ressorts Wissen, Gesellschaft und Service auch der Kultur-Teil.“ – Nehmen wir diesen Vorgang, der über die Schweizer Landesgrenze hinaus beachtet wird, zum Anlass einiger Stichworte zu Bedeutung und Zukunft der Kulturkritik.

Weiterlesen »

Corona-Krise: Bewährungsprobe für Staat und Privat

In guten Zeiten wird gern «Privat» gegen «Staat» ausgespielt – obwohl oder weil die Schweiz und viele andere europäische Demokratien mit ihren Ausprägungen der Gemischtwirtschaft recht gut gefahren sind. Eine Krise wie diejenige, die der Corona-Virus ausgelöst hat, lässt solches Ausspielen als absurd erscheinen. Denn Staat und Privat stehen in einer Bewährungsprobe – gemeinsam und je für sich.

Weiterlesen »