Es gibt historische Romane, die besser als viele wissenschaftliche oder journalistische Abhandlungen einen Vorgang, eine Entwicklung verständlich machen. Ein solches Werk hat Francesca Melandri geschaffen: „Alle, ausser mir“. Es schlägt einen Bogen von den Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die die Faschisten in Äthiopien begangen haben, zum Flüchtlingselend der Gegenwart. Die fiktive Komponente besteht in Individuen mit ihren Schicksalen, welche prägnant und packend herausgearbeitet und plausibel in ein historisches und politisches Geschehen eingefügt werden, für das die Autorin eine enorme Recherchearbeit leistete. Enstanden ist ein hartes, ein belastendes Buch, das ich sehr empfehle.
Der italienische Faschismus stand dem deutschen Nationalsozialismus punkto Brutalität kaum nach. Italien ist wohl vor allem deshalb im Urteil der Nachwelt besser weggekommen als Deutschland, weil es gegen Kriegsende die Front wechselte. Aber das mildere Urteil darf sich nicht auf den Faschismus, auf Mussolini und seine grossen und kleinen Mittäter erstrecken.
Link zur Zusammenfassung von Rezensionen bei „Perlentaucher“.
Siehe auch „Tagesspiegel“: „Das Fremde in mir“ (Link)