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Stärkt die Erinnerung an Hiroshima und Nagasaki das Interesse, wie ein Atomkrieg heute verliefe?

Vor 75 Jahren zerstörten Atombomben Hiroshima und Nagasaki. Die Erinnerung macht uns auch darauf aufmerksam, dass die nukleare Waffentechnologie 75 Jahre lang weiterentwickelt wurde. Warum interessiert dies die demokratische Öffentlichkeit nicht stärker – obwohl das Risiko von Grosskriegen mit Beteiligung von Atommächten wächst, Verträge verletzt und ausser Kraft gesetzt werden?

Es ist nicht so, dass man gar nichts weiss. Am 29. Mai 2020 wies PolitRefex zum Beispiel auf eine Publikation von Forschungsergebnissen über die möglichen Folgen regional begrenzter Atomwaffeneinsätze hin: „Zwei Forschungsteams legen eine Studie über die weltweiten Folgen eines Atomkriegs zwischen Indien und Pakistan vor. Das eine Team gehört zu einer Institution, die völlig unverdächtig ist, pazifistisch zu sein: zur NASA. Dieses Forschungsprojekt ist verdienstvoll in einer Zeit, in der an mehreren Brennpunkten die Gefahr eines Kriegs unter Beteiligung einer Nuklearmacht oder gar zwischen Nuklearmächten wächst. Darf man darauf hoffen, dass ein solcher Krieg „konventionell“ bleibt?“ (Link).

Das Desinteresse mag auf Resignation zurückzuführen sein. Sind wir denn nicht auf Gedeih und Verderb der Willkür der Führungen der Supermächte ausgeliefert? Wem das künftige Leben auf diesem Planeten etwas bedeutet, sollte trotzdem dafür eintreten, dass Wissen und Bewusstsein um die Gefahren atomarer Kriegführung stark gefördert werden. Denn Politik zu deren Eindämmung ist möglich. Auch die Nuklearmächte sind – in unterschiedlichem Ausmass – beeinflussbar durch die Meinungsentwicklung in Eliten und Öffentlichkeit, und ihre Führungen sind, soweit ersichtlich, nicht suizidal, sondern egoistisch. Egoismus heisst auch, in Wohlergehen überleben zu wollen.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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