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„… falls Putin so töricht wäre, den Krieg auf die NATO auszuweiten“

„Polen und Grossbritannien sind Europas Führungsmächte“, überschreibt Peter Rásonyi, Auslandchef der NZZ, einen am 14.1.23 erschienenen Kommentar. Demgegenüber weist ein Kommentator der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)“ auf die Notwendigkeit hin, deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine mit den USA abzustimmen.

„Ins Risiko gehen?“ Unter diesem Titel kommentiert Nikolas Busse in der FAZ* vom 13.1.23 (Auszug):

„Dass Polen andere Länder in der Panzerfrage zum Handeln zwingen will, wie der Regierungssprecher sagt, ist ein wenig forsch formuliert. Keine souveräne Regierung in Europa muss sich dem Willen einer anderen beugen. Niemand weiß das so gut wie die PiS, die selbst gerne ein Veto gegen Ansinnen von Partnern einlegt. Aber natürlich erhöht die polnische Bereitschaft, der Ukraine Leoparden zu liefern, den Druck im politischen Kessel. (…)

Ein Bündnis mit Polen wird Scholz allerdings nicht genug sein. Er will vor allem eine Abstimmung mit Amerika, denn auf die westliche Vormacht käme es an, falls Putin so törich wäre, den Krieg auf die NATO auszuweiten. Bisher hat der Kanzler darauf geachtet, Waffen zu liefern, die vergleichbar waren mit denen, die Biden in die Ukraine schickte. Solange der Präsident weiter zögert, Abrams-Panzer zu liefern, lässt sich dieser Ansatz nicht fortsetzen. Scholz muss entscheiden, ob Deutschland ins Risiko geht.“

*

Busse schliesst also nicht aus, dass „Putin so töricht wäre, den Krieg auf die NATO auszuweiten“. Damit widerspricht er implizit der Ansicht, der bisherige Kriegsverlauf zeige, dass die russische Armee zu einer solchen Eskalation unfähig sei, oder misstraut ihr zumindest. Und es gäbe ja zwei militärische Motive für die russische Führung, auf NATO-Territorium zuzuschlagen: Erstens um das Heranführen noch schwererer Waffen in die Ukraine zu verhindern, zweitens um durch Eröffnung einer zweiten Front die NATO zu einer Konzentration ihrer Kräfte auf den Schutz ihres eigenen Territoriums zu zwingen.

„Die Eskalation ist längst da“, schreibt demgegenüber der Auslandchef der NZZ, wenn er von Bundeskanzler Scholz fordert, hinter den Führungsmächten Grossbritannien und Polen zu marschieren. Die NZZ informiert kompetent über den Kriegsverlauf. Es würde interessieren, ob sie für unmöglich hält, dass Putin „töricht“ den Krieg auf die NATO ausweitet, und ob sie dies gegebenenfalls nicht doch auch als weitere Eskalation betrachten würde.

*

Siehe auch:

„Werden NATO-Staaten doch noch über Einsatz von Truppen in der Ukraine entscheiden müssen?“ (Link)

„Atomwaffen im Kalten Krieg und heute“ (Link)

*

*  Hinweis an Leserinnen und Leser, die allenfalls mit der deutschen Presse weniger vertraut sind: Die FAZ ist keine linke Pazifisten-Postille, sondern eine führende bürgerliche, liberalkonservative, „atlantische“, zur europäischen Integration stehende, wirtschaftsnahe Zeitung. Wenn sie Parteien nahesteht, dann nicht SPD und Grünen, sondern Union und FDP. Ihre Stellung war lange Zeit vergleichbar mit derjenigen der NZZ in der Schweiz. Die Berliner Redaktion der NZZ und auch die Leitung in Zürich dürften diesen an sich ehrenvollen Vergleich aber heute wohl zurückweisen.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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