Sie befinden sich hier:

Ein neues Denkmal für Katharina von Zimmern? Was wissen wir über ihr Denken?

Das Zürcher Stadtparlament fordert ein neues Denkmal für Katharina von Zimmern (1478-1547), die letzte Äbtissin Zürichs. Was wissen wir über ihr Denken? Wie wichtig wäre es, mehr darüber zu wissen? Im Denkmälerstreit ging es bisher um bestehende Denkmäler für Menschen, deren Denken und Handeln wir heute teilweise oder gar vollständig ablehnen. Wie wenden wir diese Überlegungen an, wenn es um ein neues Denkmal geht?

Katharina von Zimmern ist eine Sympathieträgerin. Der Zwingli-Film hat diese Sympathie verstärkt, und sie bekommt zusätzlichen Schub durch das berechtigte Anliegen, vermehrt auf bedeutende Frauen der Vergangenheit hinzuweisen.

Katharina von Zimmern trug wohl wesentlich zur Zürcher Reformation bei, zum Beispiel indem sie Zwingli Geldmittel des Klosters zur Verfügung stellte, um die Folgen des Wegfalls von Solddienst-Einnahmen zu mildern.

Aber wie dachte die grosse Frau über Juden, über Frauen, die wegen dem Vorwurf der Hexerei umgebracht wurden, über die Verfolgung der Wiedertäufer, über Lebensmodelle von Frauen? Wollen wir es überhaupt wissen? Ich meine: Interessant ist es auf jeden Fall. Wir sollten und diesen Fragen stellen.

Die Beschäftigung mit der Frage, ob Katharina von Zimmern ein neues Denkmal bekommt, kann den Streit über bestehende Denkmäler beeinflussen. Für mich ist das entscheidende Kriterium, ob die Person, die durch ein Denkmal geehrt wird, nur als ein Kind ihrer Zeit anders dachte und handelte, als wir es heute für richtig finden, oder ob sie sich schuldig machte, indem sie Bestrebung nach mehr Humanität und Gerechtigkeit bekämpfte – so wie Luther leider die Juristen bekämpfte, die den Hexenverfolgungen ein Ende setzen wollten.

Link zum NZZ-Bericht über den Beschluss des Zürcher Gemeinderates.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Bestätigen immer mehr moderne Demokratien eine antike Theorie?

„Wir haben nun genügend dargelegt, wie eine Diktatur aus einer Demokratie entsteht“, dies schreibt Platon (ca. 428-348 v.Chr.) am Ende des 8. Buches seines „Staates“, zum Abschluss einer längeren Diskussion des Themas – wie immer bei Platon in der Form eines sog. literarischen, d.h. erfundenen, Dialogs. Er verwendet das Wort „Tyrannis“, aber die lateinische Entsprechung „Diktatur“ macht die Sache heute verständlicher. – Von Dr. Theo Wirth*, Gastautor bei „PolitReflex“.

Weiterlesen »

Als in Zürich für Pablo Casals Fonds für Opfer des spanischen Bürgerkriegs konzertiert wurde

Der spanische Bürgerkrieg (1936-1939) endete mit dem Sieg der durch Italien und Deutschland militärisch unterstützten Faschisten, geführt durch General Francisco Franco, danach Spaniens Diktator bis 1975. Die soeben erschienene Doppelbiografie „Roshardt und Roshardt, Zwei Leben für die Kunst“ ruft in Erinnerung, dass republikanische Spanienkämpfer auch aus Zürich auf breiter politischer Basis Unterstützung erhielten.

Weiterlesen »

„Kaffeehaus ist überall.“ Der Artikel.

Nach fünf Aufführungen unserer musikalischen Lesung, «Kaffeehaus ist überall», im Atelier Theater Meilen, Heubühne, wurde mir nachdrücklich vermittelt über diese Thematik einen Artikel zu schreiben. Ulrich E. Gut, der diese Anregung aussprach, hat sich denn auch als «Empfänger» zur Verfügung gestellt!

Weiterlesen »