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Die Maske – und unser Eigensinn, auf den wir doch stolz sind

Eigensinn gehört zum Selbst- und Wunschbild, das wir Schweizer und Schweizerinnen von uns haben. Dieser „Nationalcharakter“ führte dazu, dass die Maske bis jetzt ein Accessoire einer Minderheit blieb. Nun hat der Bundesrat eine Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr beschlossen. Damit beginnt ein faszinierendes Experiment mit dem „Nationalcharakter“.

Eine Vermutung geht dahin, dass die Einführung der Maskentragpflicht bei einem grossen Teil der Bevölkerung zu einer Verhaltensänderung führt, sodass Zwangsmassnahmen und Sanktionen kaum nötig sein werden. So war es offenbar in Deutschland.

Eine zwiespältige Annahme: Sie besagt doch, dass man einfach nicht allein „der Dumme“ sein will, aber eine Einschränkung in Kauf nimmt und sich fügt, wenn ALLE müssen. Wenn dies zutrifft, dann wäre es zum Beispiel ein starkes Argument, die Erreichung der Klimaziele durch Gebote und Verbote zu verfolgen. Die Bevölkerung wäre ja dann gar nicht widersetzlich, sondern – eben – sie will sich nur nicht freiwillig einschränken. Man will nicht mit ansehen, dass die meisten Andern weiter das Leben wie bisher geniessen.

Es wäre gewagt, sich darauf zu verlassen, dass die meisten Schweizerinnen und Schweizer so funktionieren. Und die Widersetzlichkeit gegenüber dem Maskentragen beruht weitgehend darauf, dass die Bundesbehörden der Bevölkerung am Anfang der Krise kommunizierten, die Masken nützten wenig oder nichts. Es braucht deshalb Überzeugungsarbeit, um diese angenehme Meinung zu ändern. Der öffentlich ausgetragene Dissens zwischen Task Force und Behörden war eine schlechte Voraussetzung hierfür.

Derzeit scheint es mir wahrscheinlich, dass die Einführung der Maskenpflicht nur von einem Teil der Bevölkerung willig aufgenommen wird. Die Behörden müssen sich entscheiden, ob und wie und mit welchen Folgen sie mit Zwangsmassnahmen und Strafen gegen viele Leute vorgehen – oder ob man es bei der frustrierten Feststellung bewenden lässt: Wir mussten es doch versuchen.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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