Sie befinden sich hier:

„Denn in der EU haben die Mitgliedstaaten das letzte Wort“

Die EU-Kommission vertritt die EU gegenüber der Schweiz, und sie wird die Schweiz-Politik der EU auch weitgehend konzipieren. Aber diese Politik wird nur so durchgeführt, wie ihr die Mitgliedstaaten zustimmen. Deshalb muss sich die schweizerische Europapolitik nicht nur auf „Brüssel“, sondern auch auf die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten ausrichten.

NZZ-Korrespondent Christoph G. Schmutz schliesst seinen Kommentar zur Einsetzung der neuen EU-Kommission mit dem Rat, man solle „nicht zu viel von der neuen EU-Kommission erwarten, im Guten wie im Schlechten. Denn in der EU haben die Mitgliedstaaten das letzte Wort. Sie müssen Europa letztlich vorwärtsbringen.“ (Link zum Kommentar, erschienen am 11.9.2019.)

Was bedeutet dies für die schweizerische Europapolitik?

Wenn wir Nein sagen zu neuen Regeln des Marktzutritts und der Teilnahme an EU-Programmen, muss sich dieses Nein nicht nur gegen die Kommissions-„Bürokratie“ behaupten, die ja viele hierzulande schlicht verachten und deshalb vielleicht auch unterschätzen, sondern gegen die demokratisch gewählten Regierungen. Mag sein, dass das „letzte Wort“ der Mitgliedstaaten zumindest theoretisch auch eine Chance ist: Die Schweiz kann versuchen, Regierungen von Mitgliedstaaten zu überzeugen. Und es gibt ja sogar Ideen, die Schweiz könnte Teil einer Staatengruppe innerhalb und ausserhalb der EU werden, die ein anderes Europa wollen: Grossbritannien, Ungarn, Polen, Schweiz – mit wohlwollender Unterstützung der Administration Trump… Sorgfältige Abklärungen in den Hauptstädten dieser und der andern EU-Staaten würden wohl zur Erkenntnis führen, dass dies illusorisch ist.

Ein Indiz dafür: Ausgerechnet die norditalienischen Regionalregierungen, welche der SVP europapolitisch nahe stehen, haben den Brief, in denen Nachbarregionen die EU-Kommission zu einem verständnisvollen Vorgehen gegenüber der Schweiz auffordern, NICHT unterzeichnet.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Rahmenbedingungen der schweizerischen Europapolitik in steter Bewegung

Es wird nicht so bald zu einem neuen Handelsabkommen zwischen der Schweiz und den USA kommen. Dies ergaben schweizerisch-amerikanische Gespräche am WEF in Davos. Das verändert die Rahmenbedingungen für die Europapolitik. Eine nächste Veränderung könnte die mögliche Rückkehr der Lega in die italienische Regierung bringen.

Weiterlesen »

Bundesratswahlen: Die SVP und die arithmetische Konkordanz.

Die SVP könnte den Grünliberalen zu einem bisherigen FDP-Sitz im Bundesrat verhelfen, zieht Parteipräsident Marco Chiesa in Betracht. In der gleichen Stellungnahme bekennt er sich zur arithmetischen Konkordanz, also zur Verteilung der Bundesratssitze nach Wählerstärke. Was aber, wenn nach den Wahlen 2023 die Grünen einen höheren Stimmenanteil haben als die Grünliberalen? Schon Chiesas Vorgänger Albert Rösti distanzierte sich von der reinen Arithmetik.

Weiterlesen »