Das Leben und Wirken dieser faszinierenden, multitalentierten Persönlichkeit wird in zwei neuen Artikeln vorgestellt: Durch den Zürcher Germanisten Martin Dreyfus in der Zeitung „Tachles“ unter dem Titel „Zu Hause in Freunden“ (Link), durch Ulrich Gut im Internet-Kulturmedium „cültür“ unter dem Titel „Franz Wurm: Eine Anregung zum Wiederentdecken“ (Link).

Franz Wurm, aufgenommen von seinem Freund, dem Zürcher Fotografen Michael Wolgensinger. (c) Archiv Fotoatelier Wolgensinger
Ergänzend zu den eingangs erwähnten Artikeln sei hier ein Auszug aus einem Bericht wiedergegeben, den Deborah Keller im Kulturressort des „Tages-Anzeigers“ am 16. Januar 1998 nach einem Besuch bei Franz Wurm in seiner Wohnung in Zürich-Riesbach veröffentlichte, unter dem Titel „Skepsis gegen Schuldphrasen“:
„(…) besonnene Ruhe strahlt der Grossgewachsene, über Siebzigjährige aus. Dass und wie der Leiter des Feldenkrais-Instituts Zürich, der um das labile Gleichgewicht des Homo erectus weiss. sich behende und leichtfüssig bewegt, fällt auf, bevor man noch weiss, wer und was Feldenkrais ist. (…)
Die gleiche Ruhe, wenn Franz Wurm über die Katastrophe spricht: In Prag geboren, 1939 als 13jähriger von den Eltern – die er nie mehr sehen sollte – in den Zug nach England gesetzt, zuvor noch rasch katholisch getauft; der Schrecken an der Grenze, als die SS ihn überprüft, deren unauslöschbares ‚also doch‘, als sie seine jüdische Herkunft erfragen. (Das ist: K’s Angeklagtsein am eigenen Leib erfahren, wohl bevor man Kafka gelesen hat.) Ein Film, der später wie auf Knopfdruck noch einmal abläuft: 1948 in die Schweiz gekommen, muss sich Wurm beim Verlängern der Aufenthaltsbewilligung von einem Beamten der Fremdenpolizei die gleichen Fragen, das gleiche ‚also doch‘ gefallen lassen. Eine Ungeheuerlichkeit, die stumm macht. Vielleicht ist es, wie bei Paul Celan, nur die Dichtung, die angemessene Worte für das Unmittelbare findet. – Eines der vordergründigsten Motive in (Franz Wurms Gedichtband) ‚König auf dem Dach‘ ist die Geschichte vom Abgeholtwerden, freilich auch hier in einer Offenheit, Härte und Knappheit, welche den Leser fordert: ‚Und dann? – Da kamen sie und holten ihn.‘ (…)“
Ein Kommentar
Ich begegnete Franz Wurm während des Sommers 1953 im Hause Wolgensinger, wo ich als Student einige Privatstunden erteilte. Der grosse hagere Mann hatte eine Ausstrahlung von Güte und Aufmerksamkeit, die eine bleibende Erinnerung begründete. Er wurde mir natürlich nicht als Lyriker vorgestellt, einfach als der „Herr Wurm“. Als ich später in der NZZ Gedichte von Franz Wurm zu lesen bekam, wusste ich, wer das war.