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Menschenrechte im Wettbewerb der Systeme

Der Wettbewerb der Systeme ist zurück. Herausforderer des westlichen Konzepts von Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten war im 20. Jahrhundert die Sowjetunion, heute sind es primär China und nur wenig zurückhaltender Russland. Ausgespielt wird im Wesentlichen dasselbe: Wir bieten dem Volk, was es will und braucht – das „Paradies der Werktätigen“ in der pathetischen Sprache der Sowjetpropaganda. Ihr aber hält es hin mit formalen Rechten.

Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte westlichen Verständnisses können im neu entflammten Wettbewerb der Systeme standhalten, ihn vielleicht gewinnen, wenn  sie konsequent verwirklicht werden, aber auch ihre Leistungen überzeugen. Die Chance der autoritären Konzepte besteht nicht in ihrer philosophischen Stärke, sondern in der Verbindung von Durchsetzungsvermögen, Wirtschaftsleistung und Eindruck von Legitimität durch verbreitete soziale Zufriedenheit.

Leider sind diese Erfolgsbedingungen in führenden westlichen Ländern keineswegs überzeugend gegeben. Rechtsstaat und Menschenrechte werden von innen her angefochten, und politische Polarisierung schwächt politisch und ökonomisch. Führer wie Trump tun das Ihre zur wachsenden Akzeptanz autoritärer Systeme.

Nicht vergessen sei aber, dass autoritäre Systeme, die zunächst durch ihre Handliungsfähigkeit brillieren, mit dem Risiko behaftet sind, zu verkalken, weil die einmal zur Macht gelangten Herrscher und Parteien niemandem Rechenschaft ablegen und sich keiner politischen Debatte und Konkurrenz aussetzen müssen.

Texthinweise:

Lea Deuber: „Pekings Plan gegen die Menschenrechte.“ Link zum Abo+-Artikel.

François Nordmann, ancien ambassadeur: „La Chine s’affirme dans les organisations internationales.“ Link zum Artikel.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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