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Bundesrat Bersets Frankreich-Flug: Was ernster genommen werden müsste.

Spricht man mit Piloten, ist die Auskunft eindeutig: Bundesrat Berset muss elementare Unterlassungen begangen haben. Er hat den Flug nicht seriös vorbereitet und war, einmal im französischen Luftraum, durch die Flugsicherung nicht kontaktierbar, nicht beeinflussbar. Nur dies erklärt, dass ihn die französische Luftwaffe zur Landung veranlassen musste.

War Berset abgelenkt? So sehr, dass ihm Unterlassungen unterliefen, die aus fliegerischer Sicht absolut inakzeptabel sind? Er hat ja als Departementschef und Bundesrat genug ernste Probleme, die ihn ablenken konnten. Es fällt einem ein Merkspruch ein, der in der Armee jedem Offiziersaspiranten mitgegeben wird: „Wer führt, fährt nicht“ – eben weil seine Konzentration der Führungsaufgabe gilt. Aber „wer führt, pilotiert ein Flugzeug“?

Jedes Pilotieren eines Flugzeugs bedeutet ein Risiko für den Piloten und für viele Andere, die die Folgen eines Fehlers des Piloten treffen können.

Worauf muss man aus dem Vorfall in Frankreich für den Umgang Bersets mit Risiken schliessen, vor denen er als Departementschef und Bundesrat steht? Risiken für die Altersvorsorge? Risiken kommender Pandemie-Wellen? Risiken der Schweizer Europapolitik, die er zu einem Siebentel mitbestimmt – mit den Gewerkschaften im Rücken?

In privaten Gesprächen über Bersets Flug und Landung wird immer wieder Bedauern geäussert: Aber er war doch einmal vielversprechend. Er macht uns doch noch immer Eindruck. Und wer hätte die Pandemie bisher besser gemeistert?

Bei allem Verständnis für diese Stimmen: Die Zweifel an Bersets Risikotauglichkeit, die der Vorfall in Frankreich hervorruft, können nicht mit dem Einwand „Privatsache“ abgetan werden. Eine Abklärung ist nötig, und Berset täte gut daran, auch selbst eine Erklärung zu versuchen, wie ihm dies passieren konnte.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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