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Wenn sogar die NZZ vor einer „Zweiklassengesellschaft“ bei den Heimen warnt

Es braucht wohl einige Überwindung, bis sich die NZZ-Redaktion entschliesst, das Wort „Zweiklassengesellschaft“ zu verwenden. Dass sie dies gerade beim Thema Pflege tut, entspricht dem Ernst einer Krise, der kürzlich zur starken Annahme der Pflegeinitiative führte.

Wenn in diesem Bericht* Stimmen zitiert werden, die bezweifeln, dass sich die stärkere oder geringe Dotation eines Heims mit qualifiziertem Personal auf die Pflegequalität auswirkt, ist an den „fortlaufenden Erfolg“ aus den Pflegeberufen hinzuweisen: Weiterhin verlassen viele Pflegende diesen Beruf, weil sie die Auswirkungen ungenügender Personaldotation nicht mehr ertragen: Die Arbeit, die sie mit mangelnder Arbeitskapazität leisten müssen, entfernt sich so weit von ihrem Qualitätsverständnis, dass sie es nicht mehr verantworten, mit ihrem Berufsethos nicht mehr vereinen können.

Der Heimeintritt wird für immer mehr Menschen zu einem Schritt, der unbedingt vermieden werden muss – für sich selbst und für alte, pflegebedürftige Angehörige. Dies führt zu einer immer stärkeren Nachfrage nach Spitex und nach Betreuung zu Hause, aber auch zu Überforderung pflegender und betreuender Angehöriger, ja sogar zu vermehrter Zuwendung zu Organisationen, die Suizidassistenz anbieten.

Die Entwicklung des Heimwesens erfordert deshalb höchste Aufmerksamkeit und energische, realistische Massnahmen. Ein Niedergang des Lebens im Heim ist nicht hinzunehmen.

*  Link zum Artikel von Simon Hehli, erschienen am 6.7.22

Siehe auch: „Wird die Pflegeinitiative wirksam? Und wenn ja: wann?“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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