Beispiel Demenzkrankheiten:
Alzheimer Schweiz legt eine neue Studie vor. Allein die Kosten der Demenzkrankheiten betragen pro Jahr 11,8 Milliarden Franken. „Fast die Hälfte dieser Gesamtkosten sind indirekten Kosten“, wird in der Studie festgestellt; „diese übernehmen Angehörige und Nahestehende, indem sie unentgeltlich betreuen und pflegen. Sie ersparen dem Gesundheitssystem damit jährlich Kosten von rund 5,5 Milliarden Franken.“
Für Alzheimer Schweiz sind die Ergebnisse alarmierend: „Angehörige leisten einen enormen Einsatz und bewältigen die Betreuung und Pflege oftmals allein. Dabei riskieren sie, durch die komplexe Aufgabe selbst zu erkranken. Alzheimer Schweiz fordert deswegen mehr Entlastungsangebote und dass Betreuung als krankheitsrelevante Leistung anerkannt und entsprechend vergütet wird.“
Zum Krankheits- kommt oft das Verarmungsrisiko: Viele betreuende und pflegende Angehörige reduzieren ihre Erwerbsarbeit oder scheiden ganz aus dem Erwerbsleben aus. Dadurch vermindern sie auch ihre Altersvorsorge. Die Auswirkungen sind je nach Krankheit unterschiedlich. Demenzkrankheiten können zehn Jahre und länger dauern, bei stetig steigendem Bedarf nach Betreuung und Pflege und oft auch wachsender emotionaler Belastung.
Öffentlichkeit und privates Umfeld können das eigenverantwortliche Handeln dieser Menschen, das meist einem starken eigenen Bedürfnis und Pflichtgefühl entspricht, unterstützen: Durch Beratung, Entlastung, finanzielle Beiträge an Pflegehilfe. Dadurch können sie dazu beitragen, dass sie ihre Fähigkeit zum Betreuen und Pflegen nicht verlieren.
Die Beratung muss auch bei der schwierigen Entscheidung helfen, wie lange es sinnvoll ist, dass eine kranke Person, insbesondere mit Alzheimer oder einer anderen Demenz, zu Hause lebt. Der Wille, zu Hause zu bleiben, ist bei vielen Menschen stark, und die Angehörigen wollen ihn respektieren. Aber es gibt Grenzen. Leider sind gegenüber dem Leben im Heim allzu negative Vorstellungen verbreitet. Viele Menschen leben zufrieden in einem Heim, und in vielen Heimen wird fachlich und menschlich gute Arbeit geleistet. Dazu wird vermehrt auch die Möglichkeit von Übergangslösungen geschaffen: Wohnen in betreuten Wohngruppen.
Das muss und wird eine Hauptaufgabe der Nationalen Plattform Demenz sein, die Bund und Kantone soeben eingesetzt haben. Sie schliesst an die Nationale Demenzstrategie an, die Ende 2019 abgeschlossen wird. Sie ist dazu bestimmt, für die Nachhaltigkeit und Weiterführung der Errungenschaften dieser Strategie und für die Füllung ihrer Lücken zu sorgen. Dr. Stefanie Becker, die Geschäftsleiterin von Alzheimer Schweiz, und ihr Team werden sich auf der Plattform nach besten Kräften für die Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen einsetzen.
Deklaration meiner Beziehung zum Thema: Ich bin Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.