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Wissenschaftskommunikation – wichtiger denn je für die Demokratie

Sie sind wohl überzeugt, das CO2 und seine Segnungen wieder befreit zu haben: Die Verbreiter einer Meldung, wonach 500 Wissenschaftler, darunter 200 mit Professorentitel, die „Klima-Lüge“ definitiv und unwiderleglich entlarvt hätten. Auch zwei Schweizer haben mitunterzeichnet. Greta Thunberg kann getrost wieder zur Schule gehen. – Wissenschaftliche Kontroversen gab es schon immer. Aber wer hilft der Demokratin, dem Demokraten, zu entscheiden?

Wissenschaftskommunikation ist wichtiger denn je. Wenn wir uns Spitzenuniversitäten leisten, müssen sie uns Stimm- und Wahlberechtigten in den wichtigsten politischen Auseinandersetzungen Orientierungshilfe leisten.

Wir leben in einer Misstrauensgesellschaft. Das Misstrauen, das uns – hoffentlich – durch die Erziehung mit auf den Lebensweg gegeben wurde, wird durch politische Propaganda professionell umworben und gefördert. Einige merken irgendwann, dass es nur eine andere Form von Vertrauensseligkeit ist, wenn man sich ausreden lässt, überhaupt noch jemandem zu vertrauen.

ETH Zürich, Ecole Politechnique Fédérale Lausanne und unsere Universitäten geniessen in weiten Kreisen unseres Landes Vertrauen, und sie haben eine gute Chance, dieses zu bewahren. Ihnen und uns allen ist eine Stärkung der vertrauensbildenden Wissenschaftskommunikation zu wünschen.

Wohlverstanden: Es darf nicht darum gehen, auf Propaganda mit Propaganda zu antworten. Wissenschaftskommunikation muss sich durch Sachlichkeit, Distanz und Abgeklärtheit qualifizieren. Aber sie soll klar zu den Erkenntnissen stehen, die in den Forschungsinstituten erarbeitet wurden.

Es lohnt sich, die Wege der Wissenschaftskommunikation zur Bürgerin, zum Bürger neu zu durchdenken und auszubauen. Bester Professionalismus und starke Mitteldotation sind zu wünschen und nötigenfalls politisch zu fordern.

Dabei tragen die Medien eine hohe Mitverantwortung: Sie sind als kritische Vermittler gefordert. Ein Potenzial besteht bei den Ehemaligen-Organisationen (Alumnae, Alumni): Über sie halten die Ehemaligen einen vertrauensvollen Kontakt mit der aktiven Forschung. Von grosser Bedeutung ist das lebenslange Lernen, die Erwachsenenbildung.

Die wirksamste Kommunikation geht von Menschen aus, denen man vertraut. Rektorinnen und Rektoren, Leiterinnen und Leiter von Forschungsinstituten, Professorinnen und Professoren, die über gesellschaftliche und politische Schlüsselfragen forschen, sollten ebenso bekannt werden wie Mitglieder von Regierungen. Sie haben eine Chance, sogar auf grösseres Interesse zu stossen. Nutzen wir dies!

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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