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Nimmt nur der Westen die Unterdrückung des uigurischen Volkes ernst?

Jetzt die Taliban: Auch sie werben in China um Partnerschaft. Die Unterdrückung der uigurischen Brüder und Schwestern im Glauben hindert sie nicht daran. Islamische Staaten gingen ihnen voran. Iran hat mit China eine eigentliche Allianz geschlossen. Wie die „Süddeutsche“ berichtet, stellt China den Taliban eine Bedingung: Keine uigurischen Flüchtlinge aufnehmen!

China befürchte, dass infolge des Machtzuwachses der Taliban „ein erstarkender Islamismus auf den Westen Chinas ausstrahlt“, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ am 20.7.21. Bereits seien religiöse Extremisten aus China nach Afghanistan geflohen.

„Angeblich haben die Taliban zugesichert, keine uigurischen Separatisten mehr aufzunehmen“, zitiert die „Süddeutsche“ die „South China Morning Post“, die sich auf einen Taliban-Sprecher. Was solche Zusicherungen wert seien, werde Peking nun sehr genau prüfen, erwartet die „Süddeutsche“: „Die Beziehungen Chinas zu den Taliban sind nicht neu, sie reichen zurück in die Zeit, als diese Kräfte Afghanistan regierten. Allerdings verweisen Experten auf eine deutliche Distanz: „China kann mit den Taliban umgehen“, sagte der Politologe Andrew Small der Nachrichtenagentur AFP. Peking aber finde die religiöse Agenda der Taliban „grundsätzlich unbehaglich“. Anzeichen für ein wachsendes chinesisches Interesse an Afghanistan sind aber gar nicht mehr zu übersehen. So appellierte Chinas Außenminister Wang Yi kürzlich in paternalistischem Ton, dass sich die Taliban doch ihrer Verantwortung für die Nation bewusst werden sollten, dass sie mit terroristischen Kräften brechen und in den Mainstream afghanischer Politik zurückkehren sollten.“

*

Die islamische Welt muss damit rechnen, dass im Westen die Motivation, für die Uigurinnen und Uiguren Konfliktrisiken mit China auf sich zu nehmen, erlahmen könnte. Wird es die Glaubwürdigkeit der Berichte über das Leiden der Uiguren und Uigurinnen unterhöhlen, wenn die Glaubensbrüder, die in islamischen Staaten an der Macht sind, ohne Rücksicht auf sie nach chinesischem Geld und chinesischen Waffen streben? Der Westen hat hat genug andere Probleme mit Peking zu bewältigen und zu gewärtigen, von Cyber-Attacken bis zum drohenden Grosskrieg um Taiwan und im Südchinesischen Meer. Konfliktmanagement und Handelspolitik könnten die Menschenrechtspolitik in der uigurischen Frage mehr und mehr verdrängen, wenn die islamischen Mächte ihre Solidarität verweigern.

Mehr dazu:

„Uiguren: Einsatz des Westens ohne Unterstützung islamischer Staaten“ (Link)

„Russland mit Burma, China mit Iran: Die Autoritären treiben ihre Bündnispolitik voran“ (Link).

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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