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Alzheimer bald heilbar? Das Aducanumab-Dilemma.

Krass hat das Dilemma den Tages-Anzeiger erfasst. In der Ausgabe vom 28.6.21 bezeichnet er das durch Forschende in Zürich entwickelte Medikament Aducanumab auf der Frontseite als „teuer und wirkungslos“. Was ihn jedoch nicht davon abhält, im Innern des Blattes zwei Versuchsteilnehmer zu befragen, die Hoffnungen in Aducanumab setzen. Und die Wirtschaftsredaktion der NZZ ist für einmal froh um die Rolle des schweizerischen Staates.

Aducanumab ist nicht schlechthin wirkungslos. Deshalb macht es vielen Betroffenen Hoffnung. Aber die Wirkung ist umstritten. Ein erheblicher Teil der Fachwelt beanstandet den Entscheid der US-amerikanischen Heilmittelbehörde, es bereits jetzt zuzulassen. Die Behörde hat immerhin ein Anschluss-Forschungsprogramm verlangt. Man ist gespannt, wie die Schweizer Behörde entscheiden wird.

Aducanumab fordert auch Wirtschaftsjournalismus und Wirtschaftstheorie heraus. Angesichts der horrenden Preisvorstellungen der Herstellerfirma Biogen ist es ausgerechnet die marktliberale, gegenüber Staatsinterentionen kritische NZZ, die im Wirtschaftsteil von 26.6.21 feststellt, es sei von Vorteil, dass in der Schweiz – im Gegensatz zu den USA – der Preis nicht abschliessend zwischen Herstellern und Kostenträgern ausgehandelt werde, sondern der Bund entscheide.

Alzheimer ist eine breiteste Bevölkerungskreise betreffende und beängstigende Massenkrankheit. Wenn die Kosten einer wirksamen medikamentösen Behandlung, durch die allgemeine Krankenversicherung nicht oder nur teilweise übernommen, zu einem krassen Fall von Klassenmedizin führt – Grossvater Patrick Meier wird geheilt, Grossmutter Barbara Huber vermag das Medikament nicht und muss die Krankheit bis um bitteren Ende durchstehen -, wird dies zu einer massiven ordnungspolitischen Erschütterung, vielleicht Umwälzung führen.^

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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