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Corona-Erfahrungen – Anlass zur Prüfung unserer Bereitschaft für andere Krisen.

Auf die Welt, auf Europa, auf die Schweiz können Krisen zukommen, die ebenso gross, vielleicht folgenschwerer sind als Corona, und länger, vielleicht unabsehbar, dauern: Ein Grosskrieg, entbrannt zum Beispiel um Taiwan oder die Ukraine, oder im Nahen Osten, oder zwischen China und Indien, der zu einem Einbruch der Weltwirtschaft, vielleicht auch zu weiträumiger Verfrachtung von Radioaktivität führt. Eine Beschleunigung der Klimaveränderung, die tief ins Alltagsleben durchschlägt und neue Migrationsströme auslöst. Eine nächste Pandemie durch andere Erreger. Oder für die Schweiz auch „nur“ eine soziale Krise durch Verluste von Marktanteilen in Europa infolge eines Niedergangs der bilateralen Beziehungen zur Europäischen Union.

Die Unzufriedenheit mit dem Corona-Krisenmanagement ist verbreitet – aus ganz unterschiedlichen, zum Teil gegensätzlichen Gründen. Es geht jetzt nicht um eine weitere verbale Prügelattacke auf die Behörden. Aber bei allem Respekt vor ihren überraschenden, schwierigen Aufgaben: Es wurden grundsätzliche und spezifische Mängel der Krisenvorbereitung erkannt.

Die Krisenvorbereitung muss als Querschnittsaufgabe neu angepackt werden. Das betrifft Frühwarnsysteme, beschleunigte politische Entscheidverfahren, Kommunikation mit Medien und Bevölkerung, aber auch praktische Vorbereitungen wie Lagerhaltung, Verteilung knapper Güter, Unterstützung von Heimen und Spitälern.

Wir müssen uns auch damit befassen, dass die Corona-Krise auch in der Schweiz – trotz grosser Bereitschaft weiter Teile der Bevölkerung zum Zusammenstehen – auf der Stufe der Parteien und Verbände Radikalisierung und Polarisierung gefördert hat. Oft hört man jetzt die zutreffende Feststellung, dass Krisen Schwächen blosslegen, die schon vorher bestanden. Die schweizerische „Konkordanz“, missverstanden als sachpolitisch bedingungsloser Anspruch von vier Parteien auf Bundesratssitze, zeigt sich mehr denn je als Treiberin der Polarisierung.

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Empfehlung:

Georg Häsler Sansano: „Der Bund hat aus den Fehlern im Krisenmanagement wenig gelernt“ (NZZ 14.1.21, Link)

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Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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