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Der Bundesrat muss für die Corona-Massnahmen viel mehr Überzeugungsarbeit leisten.

Unsere Landesregierung nimmt es hin, dass ihre Beschlüsse als unnötig, unverhältnismässig und unlogisch abgetan werden. Das kann sich fatal auf die Entwicklung der Fallzahlen auswirken. Die Regierung muss viel mehr erklären, überzeugen und auf sachliche Kritik eingehen.

Je grösser der Teil der Bevölkerung, die die Notwendigkeit, Verhältnismässigkeit und Logik der Einschränkungen, die uns auferlegt werden, bezweifeln oder bestreiten, desto schlechter werden sie befolgt, und desto eher wird sich das Virus wieder stärker ausbreiten. Der Bundesrat macht eine krasse, staatspolitisch höchst bedenkliche Erfahrung mit der Weigerung von Bergkantonen, die Terrassenrestaurants von Berghäusern wieder zu schliessen. Das ist nur die Spitze eines Eisbergs von Widersetzlichkeit und fehlender Überzeugung in der Bevölkerung.

Was weiss der Bundesrat über das Ansteckungsrisiko in Restaurants? In den Medien wurde kürzlich eine Studie der Technischen Universität Berlin verbreitet, in der für die Restaurants eine mässige Ansteckungsgefahr aufgezeigt wurde, geringer als in Fitnessstudios und bei Arbeit ohne Maske in Grossraumbüros (Link zum SRF-Bericht). Warum hält man uns nicht von sich aus, proaktiv, auf dem Laufenden, was das Bundesamt für Gesundheit und die Task Force darüber wissen?

Warum darf man zu Fünfzehnt im Freien Würste braten, aber die Gartenwirtschaften bleiben zu? Das ist doch eine vernünftige Frage, die eine vernünftige Antwort verdient. Das Argument, es könnte ein Gewitter kommen, wirkt hilflos, an den Haaren herbeigezogen.

Erfreulich, dass man jetzt wieder ein Museum besuchen kann. Aber warum kein Affenhaus im Zoo?

Es geht darum, den Corona-Massnahmen mehr Glaubwürdigkeit zu geben, als Voraussetzung ihrer Wirksamkeit. Man kann sie nicht durch Polizeieinsätze ersetzen. Es leuchtet ein, dass das Ziel verfolgt wird, die Anzahl der Kontakte zu vermindern. Das kann zu grenzwertigen Entscheiden führen, was noch zugelassen wird und was nicht. Aber nun kommt immer mehr der Eindruck von unbegründeten Unterscheidungen auf – in der Sprache der politischen Polemik: „Willkür!“

Hierzu auch:

„Schärfere Corona-Massnahmen erfordern bessere Kommunikation und Überzeugungsarbeit“ (Link)

„Corona: Vertrauensbildung stärken – unabhängig von der Härte der kommenden Massnahmen“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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