Somit muss viel mehr Energie in die Vertrauensbildung eingesetzt werden, und es müssen hierfür neue, wirksamere Methoden gefunden werden.
Noch will der Bundesrat möglichst wenig ins Wirtschafts- und Gesellschaftsleben eingreifen. Das ist achtenswert, aber klar ist auch, wie sehr diese Strategie auf eine Ausbreitung freiwilligen Präventionsverhalten angewiesen ist – und damit eben auf wirksamere Überzeugungsarbeit.
Wenn es trotzdem zu einem Lockdown oder anderen einschneidenderen Massnahmen kommt, muss die Überzeugungsarbeit gestärkt werden, um die Durchsetzung zu erleichtern, die Widerstände abzubauen und die Repression nicht ins Untragbare und Unerträgliche wachsen zu lassen.
Was wir derzeit erleben, ist ein Auseinanderdriften von medizinischer Fachwelt, ökonomischer Fachwelt und Wirtschaft, wobei sich, wenn ich richtig sehe, die Medienschaffenden verständlicherweise mehrheitlich auf die Seite der medizinischen Fachwelt stellen und die Behörden einen Mittelweg suchen, der gesellschaftliche und wirtschaftliche Schäden klein hält. Dieser Eindruck der Zerstrittenheit erleichtert private Verweigerungshaltungen.
Wie kann die Vertrauensbildung gestärkt werden? Am ehesten wohl über vorbestehende Vertrauensbeziehungen. So könnten die Vereinigungen der Ärztinnen und Ärzte ihren Mitgliedern Vorschläge für erklärende Mailings an ihre Patientinnen und Patienten machen. Man wird auch auf diesem Weg nur einen Teil derjenigen, die eine Abwehrhaltung einnehmen, überzeugen können. Aber schon dieser Teil wäre wertvoll. Und man muss authentisches Wissen durch die Ebenen und Behörden geben. Es genügt nicht, dass der Gesundheitsdirektor vor den Medien die Kantonsärztin unterstützt. Das ist gut, aber besser ist, wenn auch die Präsidien und Räte auf Gemeindeebene überzeugt werden und diese in ihren Gemeinden Verständnis und Vertrauen fördern, in ihren breiten Beziehungenetzen. Es gibt noch andere Vertrauensbeziehungen, die genutzt werden könnten, zum Beispiel zu den Ehemaligen von Hoch- und Mittelschulen.