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Schärfere Corona-Massnahmen erfordern bessere Kommunikation und Überzeugungsarbeit.

Zwar erleben wir keine massiven Demonstrationen. Niemand versuchte, mit Gewalt ins Bundeshaus einzudringen, wie in Berlin ins Reichstagsgebäude. Aber der passive Widerstand in der Bevölkerung gegen Verhaltensänderungen zur Eindämmung der Corona-Viren ist stark. Viele ziehen das Risiko, sich selber und dann auch Andere anzustecken, vor. Wenn nun härtere Massnahmen beschlossen werden, müssen Kommunikation und Überzeugungsarbeit gestärkt werden.

In den vergangenen Tagen wurden medial gleich zwei Indikatoren für die Ausbreitung von Corona geschwächt – auch wenn es sich um Tatsachen handelte, die man hätte wissen können:

Erstens: Die Reproduktion kann nicht tagesaktuell festgestellt werden, und es kann nötig werden, sie nachträglich zu korrigieren – nach unten oder nach oben. Trotzdem bleibt die Reproduktion höchst bedeutsam.

Zweitens: Die durch das BAG täglich verbreiteten Zahlen der COVID-Kranken, die sterben, informieren nicht über die Todesursachen – was nichts daran ändert, dass viel zu viele Menschen tatsächlich an Corona sterben. Ihre Angehörigen wissen es und schreiben es zum Teil in die Todesanzeigen.

In der öffentlichen Meinung relativ wenig angefochten dürfte der Indikator Auslastung der Notfallstationen und die Überbeanspruchung der Fachpersonen in Spitälern und Heimen sein.

Nun ist zu befürchten, dass schärfere Massnahmen einen massiven Mehreinsatz von Zwangsinstrumenten erfordern, damit sie die angestrebte Wirkung erzielen.

Die Behörden von Bund und Kantonen müssen, erst recht wenn sie härtere Massnahmen beschliessen, die Menschen in unserem Land ernst nehmen. Sie müssen sich in kritische, verunsicherte, für ihre Lebensweise und ihre wirtschaftliche Existenz kämpfende Mitbürgerinnen und Mitbürger versetzen. Zwang allein wird den Erfolg nicht herbeiführen.^

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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