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Burkainitiative: „Kalter Entzug“ der Vollverhüllung?

Wie befreit man Menschen aus Zwängen und Fehlentwicklungen? Die Burkainitiative setzt auf das Brechen des Willens.

Ich lehne die Burkainitiative ab, aber ich habe hier mehrmals festgestellt: Es ist traurig, dass Menschen glauben, ihr eigenes Seelenheil oder das ihrer Gattin, Tochter, Schwester hänge von der Vollverhüllung ab. Was für ein Gottesbild!

Ein Teil der BefürworterInnen der Burkainitiative wollen Frauen aus dem inneren oder äusseren Zwang zur Vollverhüllung befreien. Einem anderen Teil sind die vollverhüllten Frauen, die in der Schweiz leben, egal. Sie wollen ein Zeichen in die Welt und an den politischen Islam senden, ein Zeichen der Solidarität mit unterdrückten Frauen in Afghanistan, Iran und anderen Ländern.

Diejenigen, die Frauen in der Schweiz befreien wollen, frage ich: Was geschieht mit einer Frau, die sich aus eigenem Willen zur Vollverhüllung entschieden hat? Was geschieht mit ihr, nachdem sie gebüsst und nach Hause geschickt wurde?

Aufgrund von Antworten, die ich in einer Twitter-Diskussion bekommen habe, gewinne ich den Eindruck, dass man sich darauf verlässt, den Willen einer solchen Frau zu brechen: Wenn sie erkenne, dass die Gesellschaft ihre Vollverhüllung nicht zulässt und sie von der Öffentlichkeit fernhält, werde sie sich unterziehen. Von Überzeugungsarbeit ist nicht die Rede. Im Anschluss an die Durchsetzung eines Verbots wäre sie wohl auch schwierig.

Wir Menschen sind mehr oder weniger widerständig und stolz. Wenn wir wahrnehmen, dass man unseren Willen brechen will, fügen wir uns nicht sofort. Vielleicht verhärten wir unsere Haltung, vielleicht nehmen wir die angedrohten Nachteile hin. Religiös Getriebene kennen leider sogar Vorbilder des Martyriums.

In der Arbeit mit Drogenabhängigen und Rechtsextremen hat man erkannt, dass der Ausstieg aus Fehlentwicklungen unterstützt werden muss und kann. Nun will man gegenüber Vollverhüllten quasi auf „kalten Entzug“ setzen.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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