Sie befinden sich hier:

Operation Libero wird noch gebraucht. Vielleicht mehr denn je.

Ist es egal, ob gerade jetzt die leistungsfähigste Kampagnenorganisation der sozialliberalen, gegenüber Europa offenen Schweiz verschwindet? Wer dies meint, macht geltend, dass die SVP im Sinkflug sei. Aber in der Europapolitik sind Blochers Nachfolger stärker denn je, da sie den Gewerkschaftsbund und mit ihm grosse Teile von RotGrün an ihrer Seite haben. Sodann: Die SVP wird gegen das CO2-Gesetz antreten, unterstützt von Wirtschaftsverbänden. Und das Referendum gegen die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ist so sicher wie das Amen in der Kirche. An weiteren Herausforderungen wird es nicht fehlen.

Zwei Szenarien zum Institutionellen Rahmenabkommen (InstA):

Szenario 1: Das InstA kommt vors Volk, wahrscheinlich durch fakultatives Referendum. Operation Libero kann das Volksmehr schaffen. Wer sonst? Alle grossen Parteien und die Wirtschaftsverbände werden zerstritten sein.

Szenario 2: Das InstA wird im Bundesrat oder im Parlament abgelehnt. Dann muss die Schweiz mit Jahren sich stetig verschlechternden Marktzugangs, sich stetig verschlechternder Kooperation in Bildung, Forschung, Sicherheit, Klimapolitik und anderen wichtigen Bereichen in Europa rechnen. Gut vorstellbar, dass eine Volksinitiative nötig wird, um diese Phase zu beenden. Operation Libero kann sie ergreifen und durchziehen – mit kleinen, kompetenten Partnerorganisationen, von denen aber keine kampagnenfähig ist.

Alsdann: CO2-Gesetz, Ehe für gleichgeschlechtliche Paare (für die sich Operation Libero bereits kräftig einsetzte) – und weitere Herausforderungen. Zum Beispiel: Den Angriff auf die Härtefallklausel im Ausschaffungsrecht abzuwehren. Einem  neuen Angriff auf die Europäische Menschenrechtskonvention die Stirn zu bieten.

Operation Libero hat recht, dass eine Kampagnenorganisation eine mehrköpfige Geschäftsstelle als professionellen Motor braucht. Es ist diese Kraft, die sie zu einer unverzichtbaren Partnerin ideeller Organisationen werden liess, die auf Freiwilligenarbeit angewiesen sind.

Zuversicht ist berechtigt, dass die grosse Zahl der Mitbürgerinnen und Mitbürger, die wollen, dass Operation Libero in den genannten – und weiteren – Auseinandersetzungen eine entscheidende Rolle spielt, der Spendenaktion zum Erfolg verhelfen. Und dann braucht OL ein nachhaltiges Geschäftsmodell.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Die Schweiz braucht wohl einige Jahre des Kräftemessens mit der EU

Jetzt zerschlagen sich die Hoffnungen, die EU könnte ihre Forderung nach baldigem Abschluss eines Rahmenabkommens mildern. Die Kommission nimmt auch auf die bevorstehende Abstimmung am 17. Mai über die Kündigungsinitiative (Begrenzungsinitiative) keine Rücksicht mehr. Sie fordert eine Stellungnahme der Schweiz bis 25. Mai: „Die EU gibt der Schweiz neun Tage Zeit“ (Stephan Israel und Luca de Carli, Tages-Anzeiger 1.2.20, S. 4). Damit lanciert die EU diese Stellungnahme wuchtig als Thema dieses Abstimmungskampfs.

Weiterlesen »

Für die Corona-Massnahmen ist der Gesamtbundesrat verantwortlich.

Marco Chiesa, Präsident der SVP, nimmt in der NZZ vom 4.1.21 die Corona-Massnahmen zum Anlass zur wohl krassesten Absage an Konkordanz und Kollegialprinzip, die man von dieser Partei bisher vernahm*: „Gesundheitsminister Alain Berset zerstört ganze Branchen, und seine Parteikollegen spielen sich dann als deren Retter auf. Allerdings retten sie diejenigen, die vor dem Ruin stehen, nicht mit ihrem eigenen Geld, sondern mit demjenigen der Steuerzahler. Das kommt mir vor, als breche man jemandem beide Beine, hole dann einen Rollstuhl und erwarte, dass sich das Opfer bedankt und am Schluss noch die Rechnung für den Rollstuhl zahlt.“

Weiterlesen »

„Die SVP hat auf ganzer Linie gesiegt“

Wofür tritt Eric Gujer, Chefredaktor der „Neuen Zürcher Zeitung“, mit seinem Leitartikel vom 20. Juni 2026 ein, der mit der Huldigung beginnt: „Christoph Blocher ist ein Visionär“? Und der schliesst: „Die SVP hat auf ganzer Linie gesiegt. Genau das bringt den Kleinstaat nun in die Bredouille“?

Weiterlesen »