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Die Schweiz auf dem Höhepunkt der Corona-Bewährungsprobe

Der Bundesrat hat am 28. Oktober 2020 eine bemerkenswerte Konsequenz gezogen: Nur noch vier Staaten, plus drei Regionen Frankreichs, stehen auf der Quarantäneliste, weil das Corona-Risiko in der Schweiz höher ist als fast überall auf der Welt. Gleichentags haben Deutschland und Frankreich viel härtere Massnahmen gegen die Ausbreitung des Virus getroffen als die Schweiz, obwohl sie pro Kopf viel weniger Ansteckungen aufweisen als diese.

Deutschland mit 83 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern meldet rund 15’000 Neuinfektionen, die Schweiz mit rund zehn Mal weniger Einwohnern als Deutschland mehr als die Hälfte der deutschen Zahl;  Frankreich mit 67 Millionen verzeichnet gegen 50’000 tägliche Neuinfektionen.

In der Corona-Bewährungsprobe setzte und setzt die Schweiz länger und stärker auf Eigenverantwortung als die Nachbarländer. Das entspricht dem Selbst- und Staatsverständnis einer grossen Mehrheit der Bevölkerung. Das Zwischenresultat ist aber höchst besorgniserregend.

Vor allem die Entwicklung in Spitälern führt uns vor Augen, dass diese Bewährungsprobe nun einen Höhepunkt erreicht hat. Wenn die Massnahmen, die Bund und Kantone jetzt getroffen haben und noch treffen, eine Überlastung der Spitäler und ihrer Intensivpflegestationen nicht zu verhindern vermögen, werden uns Massnahmen, wie sie Deutschland getroffen hat, kaum mehr erspart bleiben.

Es bleibt dabei: Um die Bewährungsprobe zu bestehen, ist vor allem wirksamere Überzeugungsarbeit und Vertrauensbildung nötig, und zwar unabhängig davon, ob weiterhin Eigenverantwortung im Vordergrund steht oder ob zu umfassenden Zwangsmassnahmen übergegangen wird und diese durchgesetzt werden müssen. Nicht nur der Bundesrat, Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren, Bundesamt für Gesundheit, kantonsärztliche Dienste sind gefordert, sondern alle, die bestehende Vertrauensbeziehungen nutzen können.

Mehr dazu: „Corona: Vertrauensbildung stärken – unabhängig von der Härte der kommenden Massnahmen.“ (Link)

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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