Sie befinden sich hier:

Wachsende Kriegsgefahr – wie kommt die Schweiz zu einer angemessenen, breiter abgestützten Sicherheitspolitik?

„Wir müssen uns wärmer anziehen“: Unter diesem Titel steht eine alarmierende Analyse, die Theodor Winkler in der NZZ veröffentlichte. „Die Nato weicht sich auf, China und Russland markieren Stärke – die wachsende globale Unsicherheit fordert auch die Schweiz heraus.“ Alt-Botschafter Winkler war erster Direktor der beiden Zentren für Sicherheitspolitik und für gute Regierungsführung sowie Mitbegründer der Maison de la paix.* – In dieser Situation scheint die Schweiz von einem sicherheitspolitischen Konsens weiter denn je entfernt zu sein. Was tun?

Das Volk hätte die Erneuerung der Kampfflugzeugflotte um ein Haar verworfen. Wäre die Debatte um die Erdkampftauglichkeit, um allenfalls mitgelieferte Bomben, noch vor der Abstimmung entflammt, wäre ein Nein durchaus möglich gewesen, denn nun zeigt sich, dass Einige darunter nicht nur präzise Luftangriffe auf militärische Ziele, sondern auch Flächenbombardements mit zahlreichen zivilen Opfern verstehen und begreiflicherweise empört sind. Ob und wie sich dies auf die weitere Behandlung dieses Beschaffungsprojekts auswirken wird, werden wir sehen.

Es wäre unrealistisch, sich das Ziel eines nahezu umfassenden sicherheitspolitischen Konsenses zu setzen. Aber intensive Bemühungen, den Konsens zumindest in Lagebeurteilung, Szenarien und Analysen, womöglich auch bei den Konsequenzen, zu erweitern, sind nötig.

Hierfür braucht es wieder ein Organ, wie es der Schweiz schon einmal nützlich war: In Form der 1996 eingesetzten Studienkommission für strategische Fragen, nach ihrem Präsidenten Edouard Brunner, vormals Staatssekretär, Kommission Brunner genannt. Die politische Breite ihrer Mitgliedschaft reichte von Andreas Gross bis Christoph Blocher. Die Kommission stellte keinen nachhaltigen Konsens her, aber sie grenzte für eine Weile den Dissens ein und hob die Debatten auf ein höheres analytisches Niveau. Das ist heute wieder nötig. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Schweiz Zeit hat, ihre Sicherheitspolitik solcherart neu zu erarbeiten und abzustützen.

Link zur Mitteilung des Einsetzungsbeschlusses der Kommission Brunner, mit der Mitgliederliste.

Link zum Bericht der Studienkommission vom 26. Februar 1998.

Link zum Artikel von Theodor Winkler.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Wohin fährt der rechte Flügel der SVP?

Auch wer auf einen Schulterschluss der FDP mit der SVP hofft – und sich dafür einsetzt -, muss jetzt im publizistischen Flaggschiff des rechten SVP-Flügels lesen: „SVP und FDP trennen Welten.“

Weiterlesen »

Wieviel ist der Schweiz der Schutz der Menschenrechte in Europa wert?

Am Dienstag, 24. September, wird der Nationalrat über Vorstösse entscheiden, die die Kündigung der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) fordern. Deren Urheber werden ihre Empörung über das Klima-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ausdrücken. Aber die Beratung muss auf eine grundsätzliche Ebene angehoben werden: Wieviel wert ist der Schweiz, ihren Einwohnerinnen und Einwohnern der Schutz der Menschenrechte in Europa?

Weiterlesen »

Sozialpolitik rückt ins Zentrum

Es sind nicht nur schwere ungelöste Sachprobleme wie die Sicherung der Altersvorsorge, die zu einem starken Anstieg der Sozialpolitik in der Themenhierarchie führen. Soziale Fragen drängen sich immer stärker auch in anderen Politikbereichen in den Vordergrund, besonders in der Gesundheits- und der Europapolitik. Dazu kommt eine wachsende Entschlossenheit und Lust links und rechts, für Prinzipien zu kämpfen.

Weiterlesen »