Sie befinden sich hier:

Nutzen wir die Chance für gute, kooperative Generationenbeziehungen

Aus dem Credit Suisse Jugendbarometer 2020*: „Obwohl noch Jahrzehnte von der Pension entfernt, sehen Junge in der Schweiz die Zukunft der Altersvorsorge als das grösste Problem des Landes an. Die aktuelle Krisensituation, so die Wahrnehmung der Jungen, hat den Reformdruck bei der Altersvorsorge noch verstärkt – rund die Hälfte der Befragten nennt dieses Problem. An zweiter und dritter Stelle auf der Sorgenliste folgen die Bewältigung der Corona-Pandemie und der Umwelt- und Klimaschutz.“

Das ist eine Chance – und eine Herausforderung: Die jungen Menschen, die sich vernünftigerweise Sorgen um die Altersvorsorge machen, werden politisch unworben von Strategen, die daran interessiert sind, einen politischen Generationenkonflikt hochzufahren. Damit werden sie nicht ganz ohne Erfolg bleiben.

Aber wir dürfen darauf setzen, dass die Beziehungen vieler, vielleicht der meisten jungen Menschen zu Angehörigen der Generationen ihrer Eltern, Grosseltern, mitunter Urgrosseltern, durch Sympathie geprägt sind – so wie ja auch viele Seniorinnen und Senioren solidarisch das Leben der Jungen miterleben und sich für sie einsetzen. Viele junge Menschen wollen, dass den Seniorinnen und Senioren, denen sie nahe stehen, gut geht, und sie wissen, dass ihr persönlicher Einsatz hierfür nicht genügt. Dabei geht es nicht nur um Rentenfinanzierung. Sie erkennen auch, dass die Mobilitätsanforderungen der Arbeitswelt und die hoffentlich vermehrte Gleichstellung von Frau und Mann im Erwerbsleben die private Betreuung alter und pflegebedürftiger Menschen jedenfalls nicht erleichtert. Die Tochter, die Schwiegertochter, die Enkelin (und vielleicht der Sohn, Schwiegersohn, Enkel) als familiäre Pflege- und Betreuperson wird seltener, Pflege und Betreuung werden zunehmend professionalisiert und müssen bezahlt werden, ob zu Hause oder im Heim.

Nutzen wir die Chance, indem wir die politisch interessierten jungen Menschen auf breiter Basis, und auch organisiert, ins Gespräch ziehen über die Altersvorsorge. Organisationen, die sich mit Alter, Pflege, Betreuung, Demenz befassen, können und sollen ihre Jugendarbeit ausbauen, wohl auch durch Aufnahme eines Dialogs mit Jungparteien und jungen Politikerinnen und Politikern.

Das Jugendbarometer sagt ja auch, dass das politische Interesse der jungen Menschen wächst.

*  Link zu den 10 wichtigsten Erkenntnissen des Jugendbarometers 2020.

„Das Credit Suisse Jugendbarometer wird seit 2010 erhoben und gibt Einblick in die Lebensweise, Probleme und Einstellungen junger Menschen der Generation Y (hier definiert als Jahrgänge 1980-1999) und Z (hier definiert als Jahrgänge ab 2000). Für die diesjährige Studie wurden jeweils über 1000 16- bis 25-Jährige in der Schweiz, in Brasilien, in den USA und in Singapur befragt. Die repräsentative Online-Umfrage wurde vom Forschungsinstitut gfs.bern im Juni und Juli 2020 durchgeführt.“

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Corona: Trotz aller Unzufriedenheit mit dem Bundesrat – das Parlament kann ihn nicht ersetzen.

Regieren heisst nicht nur beschliessen, sondern auch Beschlüsse erarbeiten, auch unter hohem Zeitdruck. Wenn das Parlament Regierungsfunktionen an sich ziehen würde, müsste es hierfür auch seine Verwaltung und seinen Stab ausbauen, diese führen und über ihre Anträge zeitgerecht entscheiden. Das ist unrealistisch, ganz besonders für ein nur teilweise professionelles „Miliz“-Parlament wie das schweizerische.

Weiterlesen »

Schärfere Corona-Massnahmen erfordern bessere Kommunikation und Überzeugungsarbeit.

Zwar erleben wir keine massiven Demonstrationen. Niemand versuchte, mit Gewalt ins Bundeshaus einzudringen, wie in Berlin ins Reichstagsgebäude. Aber der passive Widerstand in der Bevölkerung gegen Verhaltensänderungen zur Eindämmung der Corona-Viren ist stark. Viele ziehen das Risiko, sich selber und dann auch Andere anzustecken, vor. Wenn nun härtere Massnahmen beschlossen werden, müssen Kommunikation und Überzeugungsarbeit gestärkt werden.

Weiterlesen »

Was bedeutet die Kündigungsinitiative für die Pflege der Alten und Kranken?

Die SVP wirbt um die Zustimmung des Pflegepersonals und Aller, denen gute Pflege der Alten und Kranken ein Anliegen ist, für ihre Kündigungsinitiative („Begrenzungsinitiative“): Nach deren Annahme sollten die Löhne der Pflegenden steigen. Das verdient eine Diskussion mit den Verantwortlichen des Gesundheitswesens – von denen einige der SVP angehören, zum Beispiel als Gesundheitsdirektor, als Präsident des Krankenversicherungsverbands Santésuisse, als Gemeinderätin, Gemeinderat, Mitglied des Verwaltungs- oder Stiftungsrats eines Heims oder Spitals.

Weiterlesen »