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Billige Nahrungsmittel. Wurde der Preis für dieses soziale Friedensinstrument zu hoch?

Die Gründung der Migros* durch Gottlieb Duttweiler war wohl ein ähnlich wirksamer Beitrag zur sozialen Beruhigung wie die Schaffung der AHV. Menschen mit geringem Einkommen und ohne Vermögen revoltieren viel weniger gegen soziale Ungleichheit als gegen zu wenig oder zu schlechtes Essen. Nun führt uns die Grossmetzgerei Tönnies vor Augen, welchen Preis wir für die Versorgung der finanzschwachen Bevölkerungsteile mit Fleisch bezahlen.

Wir kannten das Problem längst vor der Tönnies-Katastrophe. Wer sich für biologische Nahrungsmittelproduktion und gegen Tierfabriken einsetzt, ist sich bewusst, dass der Speisezettel der einkommensschwachen Haushalte viel bescheidener würde, wenn die Billigprodukte aus den Regalen verschwänden.

Realistisch ist auch, dass eine Verteuerung des Reisens, insbesondere des Fliegens, die Bedeutung der sozialen Unterschiede für die Feriengestaltung steigern wird. Die SVP hat die Kraft dieses Arguments erkannt und setzt es gegen die Flugticketsteuer ein, in der Erwartung, im Wettbewerb mit RotGrün um Stimmen aus finanzschwachen Haushalten zu punkten.

Der gesellschaftliche, ökologische, ethische Preis der Billigangebote, gehe es jetzt um Nahrung oder Ferien, ist nach verbreiteter Meinung zu hoch geworden. Aber wenn wir Konsequenzen ziehen, müssen wir uns damit befassen, wie wir den sozialen Preis bezahlen wollen. Vielleicht werden wir künftig nicht nur die Krankenkassenprämien verbilligen müssen, sondern auch den Einkauf von Lebensmitteln.

Sozial-Liberalismus und Öko-Liberalismus sind gefordert! „Wer jetzt dem Liberalismus die Totenglocke läutet, könnte die liberale Reformfähigkeit ebenso unterschätzen wie die Angewiesenheit von Gesellschaft und Wirtschaft, einschliesslich der Sozialdemokratie, auf liberale Offenheit, Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft, Kreativität. Es kann sehr wohl „Bindestrich-Liberalismus“ sein, der einen Weg in eine liberale Zukunft bahnt.“

*Gründung der Migros: Link.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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