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Wenn gewählte Verantwortliche bei Experten-Dissens entscheiden müssen

Die Überprüfung des Corona-Krisenmanagements durch die parlamentarischen Geschäftsprüfungskommissionen hat begonnen, und sie wird wohl aufzeigen, dass der Bundesrat nicht immer nach Expertenmeinungen entschied, die sich nachträglich als richtig herausstellten. Aber die Expertenmeinungen, die die Sonntagspresse an Pfingsten 2020 präsentiert, zeigen erneut drastisch, wie schwierig dies sein kann.

„Forscher: ‚Normalität kommt zu früh'“: Die „NZZ am Sonntag“ gibt dem Epidemiologen Richard Neher eine Plattform, um zu alarmieren. Neher ist Professor für Biophysik am Biozentrum der Universität Basel.

„Forscher befürworten grosse Events ab Juni“, lesen wir in der „SonntagsZeitung“: „So sagt Marcel Tanner, Mitglied der Taskforce des Bundes und emeritierter Professor für Epidemiologie, man müsse zwar «zuerst abwarten, wie sich die neusten Lockerungen mit Veranstaltungen bis 300 Personen auswirken». Doch: «Wenn kein Anstieg der Übertragungen zu beobachten ist, kann man meines Erachtens bereits im Juli über grosse Open Airs und Sportveranstaltungen nachdenken, sofern sie valable Schutzkonzepte vorlegen.» Noch weiter geht Beda Stadler, ehemaliger Direktor des Instituts für Immunologie der Uni Bern: «Nach allem, was man jetzt weiss», könnte man «Grossveranstaltungen im Freien wie Open Airs und Sportveranstaltungen unter gewissen Bedingungen zumindest testweise erlauben». “

Wir erinnern uns an Goethe: „Prophete rechts, Prophete links – das Weltkind in der Mitten.“ Und das Weltkind muss entscheiden.

Bedenkenswert ist wohl, dass die Verantwortlichen in den gewählten Behörden und in der Verwaltung solide, öffentlich bekannte und diskutierbare Expertengremien permanent haben sollten, um die Expertise nicht erst in einer Krise suchen zu müssen.

Siehe auch:

„‚Recht haben‘ in der Corona-Krise“

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

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