Sie befinden sich hier:

„Recht haben“ in der Corona-Krise

Dass wir in Zielkonflikten entscheiden müssen, ist Realität und lässt sich nicht vereinfachen. Ist man sich bewusst, dass in einem Zielkonflikt entschieden werden musste, verdient der Entscheid Respekt, wenn er in gleichmässiger Beachtung der gegenläufigen Informationen und nicht einäugig, unter Ausblendung störender Fakten, fiel.

Wieder einmal ist Gelegenheit, das alte Geschichtlein in Erinnerung zu rufen: Hans klagt vor dem Richter gegen Fritz. Er begründet seine Klage. Darauf der Richter: „Du hast recht.“ Fritz bringt nun seine Argumente gegen die Klage vor. Der Richter besinnt sich und sagt auch ihm: „Du hast recht.“ Daraufhin flüstert ihm der Gerichtsschreiber ins Ohr: „Herr Richter, Sie können aber nicht beiden recht geben.“ Darauf der Richter: „Auch du hast recht!“

Wer beobachtet, was ich zur Corona-Krise verbreite, mag festgestellt haben, dass darunter Texte sind, die vor COVID-19 und vor einer zweiten Welle warnen, aber auch solche, die auf die schwerwiegenden Folgen der Einschränkung des Gesellschafts- und Wirtschaftslebens hinweisen und zum Beispiel für die Aufhebung der Isolation alter Menschen in Heimen eintreten.

Es ist meine Überzeugung, dass es in einer solchen Situation nötig ist, sich soliden Informationen zu stellen, die in verschiedene Richtungen drängen.

Dass wir in Zielkonflikten entscheiden müssen, ist Realität und lässt sich nicht vereinfachen.
Ist man sich bewusst, dass in einem Zielkonflikt entschieden werden musste, verdient der Entscheid Respekt, wenn er in gleichmässiger Beachtung der gegenläufigen Informationen und nicht einäugig, unter Ausblendung störender Fakten, fiel.

Bild von Ulrich Gut

Ulrich Gut

Ulrich Gut (1952), Dr. iur., wohnt in Küsnacht ZH. Der ehemalige Chefredaktor und Kommunikationsberater kommentiert auf Online Plattformen politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Er präsidiert UNSER RECHT und ch-intercultur. 2009-2020 war er Zentralpräsident von Alzheimer Schweiz.

Beitrag teilen

PDF erstellen oder ausdrucken

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Kommentar abschicken

Ähnliche Artikel

Die Krise des Kulturjournalismus kann nicht mit Bundeshilfe überwunden werden

Die Beratung der Kulturbotschaft am 4. Juni 2024 im Ständerat schaffte Klarheit: Der Bund weiss um die kulturpolitische Bedeutung und die Krise von Kulturjournalismus und Kulturkritik. Aber diese Krise wird nicht mit Bundeshilfe überwunden werden. Umso wichtiger und dringender ist es nun, neue, digitale und kostengünstige Wege zu finden, Verbreitung und Vernetzung neuer Kulturmedien zu stärken und neue Finanzierungsmodelle zu erproben. Dieser Aufgabe widmet sich ch-intercultur (www.ch-intercultur.ch) mit Partnerinnen und Partnern.

Weiterlesen »

Bundesratswahl: Die Parteien müssten Koalitionsbildung erst lernen

Je näher der 20. Oktober kommt, desto mehr rückt in den Vordergrund, dass die Parlamentswahl auch über die künftige Zusammensetzung des Bundesrates entscheidet. Werden SP und Grüne ein „Lager“ mit den Grünliberalen bilden? Und wieviele CVP-Stimmen bräuchte es, damit dieses „Lager“ einen der vier Sitze erhielten, die bisher SVP und FDP hatten? Unterschätzt werden die Anforderungen an eine Koalitionsbildung.

Weiterlesen »

Wenn das Blatt des SVP-Bereichsleiters Europapolitik den russischen Botschafter interviewt

Nun hab’ ich doch noch das Interview mit dem russischen Botschafter in der Schweiz, Sergei Garmonin, gelesen, das in der Bundesfeier-Nummer der Weltwoche erschien (Nr. 30/31.23). Das Blatt des Bereichsleiters der SVP Schweiz für Europapolitik, Roger Köppel, ist nicht nur, wie hier bereits festgestellt, gänzlich uninteressiert am Schicksal von Alexei Nawalny, seiner neuerlichen Verurteilung und Strafverschärfung. Köppels Blatt brachte sogar fertig, den russischen Botschafter nicht auf die Drohung anzusprechen, die er gegen den NZZ-Journalisten Ivo Mijnssen aussprach.

Weiterlesen »